sich wahrhaft zu bessern; denn fehlen ist leicht, und selbst Ernst war nicht immer vorwurfsfrey, wie wir schon Anfangs bemerkten.

Eines Tages gab Herr von Willner seinen beyden Söhnen in ihren Lehrstundcn Sprachregcln zum Aus­wendiglernen auf, welche sie sich, im Garten spazieren gehend, einzuprägen bemühten. Ein schöner Schmetter­ling, der auf dem Buche, worinnen Ernst lernte, ein paar Mahl herum flatterte, fesselte seine Blicke, er wollte ihn fangen, jener flog fort; Ernst eilte nach, und beschäftigte sich nur zu lange damit, ihn von Blume zu Blume vergebens zu verfolgen, denn die Stunde schlug, wo die Bruder ihre Aufgaben hersagen sollten, und Ernst wußte von der seinen fast kein Wort, in­dessen Philipp die seiniaen vollkommen inne hatte. Ernst war zu wahrheitsliebend, um nicht offen die Ur­sache seiner Zerstreuung zu gestehen, und diese Aufrich­tigkeit erwarb ihm für dießmahl die Verzeihung seines Vaters, der Ernsten nur in wenig verweisenden Wor­ten zeigte, wie nothwendig es sey, Nothwendiges nicht wegen Tändeleyen zu vernachlässigen. Er lobte dann Philipp wegen seiner Pünktlichkeit, und gab dann beyden Söhnen, als Beschäftigung für den Rest des Vor­mittags , jedem eine Zeichnung zu machen. Gewöhnlich hatten die Brüder, in der Zwischenzeit vom Lernen zum Zeichnen, eine halbe Stunde frey zur Erholung, und Ernst benützte diese Zeit, seine versäumte Aufgabe voll­kommen zu lernen, worauf er sich dann zu seiner Zeich­nung setzte, die er nicht eher verließ, als bis er sie vol­lendet hatte.

Philipp dagegen benützte die ihm vergönnte freye balbe Stunde und das war nicht tadelnswerth. Er dehnte sie aber zu lange aus, und das war gefehlt. Erst