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iich?« frug Julie. »Indem sie sich angewöhnte, jedes Ding vom günstigsten Gesichtspunkt zu betrachten, denn jedes Ereigniß hat seine guten und seine Übeln Seiten. Du scheinst zu zweifeln? Nenne mir nur irgend etwas, das dich verdroß, und ich werde suchen, dir es im vor- theilhaftestcn Lichte zu zeigen.«
»Nun zum Beyspiel, als wir vorige Woche im Begriffe waren, ins Schauspiel zu gehen, und der Besuch der Tante uns daran verhinderte; was kann da Dor- theilhaftes daran seyn? Ich sehe darinnen nur das Unangenehme, ein lange ersehntes Vergnügen entbehrt zu haben!«
»Was meinst du Sophie?« frug die Räthinn, und erhielt zur Antwort: »Vielleicht hat das unsre Geduld geübt! Die Geduld ist aber eine Tugend, und du sagtest uns, die Ausübung jeder Tugend trage zu unsrer Glückseligkeit bey.«
»Recht gut, liebes Kind; denn es ist gewiß, daß unser Herz am ersten Ruhe findet, wenn wir uns das Zeugniß geben können, ein Ungemach geduldig ertragen zu haben. Jene Freundinn hätte vielleicht folgendermaßen gedacht: »Es ist wahr, daß ich das Vergnügen nicht genieße, ins Schauspiel zu gehen; aber hatte ich nicht dafür eine andre Unterhaltung? Hat die Tante nicht ihre Töchter mitgebracht, die sich mit mir den ganzen Abend belustigten? Hätte ich nicht durch Krankheit oder durch einen meiner Mutter oder Schwester znge- stoßnen Unfall auch das Vergnügen entbehren müssen, ohne dafür durch ein anderes entschädigt zu werden?« Auf diese Art, Kinder, ist es am Klügsten, in solchen Fällen sich selbst zu trösten.«
»O erzähle uns noch etwas von jener Freundinn,« bath Sophie, und die Mutter fubr fort: »Als ibr

