128

hendcm Haidckraut hervor und begrüßte huldvoll die Gäste. Pipale nahm ihr den Mantel von Sonimer- fäde» ab, und bat sie schmeichelnd, ihnen mitzutheilen, was sie Neues und Belustigendes erlebt habe.

Die Königin aber schüttelte ernst die goldnen Lok- ken und begann traurigen Tones:

Nichts Erfreuliches habe ich heut zu erzählen. Mein Herz ist betrübt über einen schmerzlichen Anblick. Auf meiner heutigen nächtlichen Wanderung kani ich in ein einsames, von einer Nachtlampe düster erleuchte­tes Zimmer. Auf einem weißen Bettchc» lag ein blas­ses, schlafendes Kind, so zart und fein, als gehöre es zu unserm Geschlecht. Aber so hold dasselbe auch war, so konnte man es doch nicht mit Freude betrachte»; den» auf den Wangen fehlte die frische Röthc der Ge­sundheit, die ein schlafendes Kind so schön macht, und die schmalen, blassen Lippen konnten kaum die kleinen Perlzähne bedecken. Gefaltet lagen die weißen, mage­ren Finger auf der Decke, und schnelle, unruhige Athem­züge bewegten die kleine Brust. Ach, ich sah es, der Todesengcl schwebte über dieser zarten Gestalt. Vor dem Bette kniete in angstvollem Gebet die Mutter des Mägdleins. Sie rang trostlos die Hände und flehte um ein Wunder zur Rettung ihres Kindes.