An seinem einsamen Kämmerlein saß bei stiller Nacht der alle Meister Octavian Falkner, eifrig beschäftigt mit Rissen und Zeichnungen; denn der Rath der Stadt Wien hatte ihm ein gar wichtiges und schweres Werk aufgetragen: den Bau des Stephans-Doms. Falkner war weit und breit alö der größte Baumeister bekannt und hatte manch' schwere Aufgabe mit Ruhm gelöst; aber diesmal konnte er keinen Plan entwerfen, der ihm genügt hätte. Er sehnte sich nemlich, sein letztes Meisterwerk recht zur Verherrlichung Gottes zu schaffen; denn er war schon hoch in den Jahren und mußte täglich erwarten, daß der große Meister droben ihn von seinem irdischen Tagewerke abrufe. So hatte er denn schon manche Nacht gesessen und nachgesonnen, manchen Plan entworfen, doch keinen gefunden, der ihn selbst befriedigt und dem erhabenen Gedanken entsprochen hätte, den er in seiner Seele trug. IX. 4

