zu Boden, und eine hohe Roscngluth überzog die Wangen der lieblichen Blondine. Betroffen fragte die Hofräthin: „Wozu dieses Verlangen? Doch nicht etwa um dich an dem Anblick recht vieler klingenden Münze zu weiden?" „Nein, o nein!" versezte rasch Theresc. „Aber den Grund dieses Begehrens kann ich nur Ihnen allein entdecken." Und nun vertraute- sie jener heimlich: daß in der Nachbarschaft eine Familie wohne, deren Mann und Vater (ein Dachdeckergeselle) verunglückt, und die Leute durch dies traurige Ereigniß in die bitterste Armuth gerathen seyen. Er hinterließ sechs unversorgte Kinder, und diese arme Waisen recht erfreuen und beschenken zu können, war der Wunsch der mildthätigen Kleinen, deren Auge» sich bei der Erzählung und bei der Ueberzeugung von ihrer Unfähigkeit zu helfen, mit Thränen füllten. Ebenfalls tief gerührt umfaßte Frau von Tannenhaiu die Weinende, und indem sie dieselbe zu trösten suchte, sprach sie: „Sei ruhig liebes Kind! dein frommer Wille dringt Zum Thron des Allmächtigen, und solches Flehen erhört Gott gerne. Gewiß wird denen, die du so aufrichtig bemitleidest, geholfen werden."
Der lang ersehnte, festliche Abend erschien, und rcgcS Leben verbreitete sich im Tannen Hain'scheu Hause.

