Oit Weinrebe.
Da wiederum der Engel mild Betritt das herbstliche Gefild.
Er naht den Bäumen, groß und klein, Der reiche» Frucht sich zu erfreun; Verweilet hier am Psirsichstrauch,
Und dort am niedren Schleedorn auch.
Bis er verwundert »nd entzückt Auf die geschmückte Rebe blickt. —
„Du gcttgclicbtcö Erdcnkind!"
Mit süßem Laut er nun beginnt:
„ Wie prangt mit Früchten wunderbar „Dein Zweig, der erst der schwächste war! „Verschmähet solltest, arni und klein,
„Du cw'gcr Huld Verkündcr sein!
„O, bleib' ein tröstend Lebensbild „All' denen Leid das Herz erfüllt,
„Wenn reicherer Segen, schön'rc Pracht „Um And'rer Leben fröhlich lacht! — „Die reinste Kraft gar still beginnt,
„Eh' Muth und Hoffnung sie gewinnt; „Dann aber hebt, in raschem Lauf,
„Sie schnell zur Höhe sich hinauf,
„Und zeigt den Gott, der in ihr glübt, „Wenn ffücht'gcr Schimmer längst verblüht, „Bis Millionen an den Gaben „Des süßen Scgcnquclls sich laben!"

