lassen, besonders in der stunde der Gefahr;" sagte sie,aber habt Ihr Muth, der letzteren zu begegnen?" Wir schwiegen einige Augenblicke, der Ernst unserer Mutter hatte uns alles Blut aus den Wangen getrieben. Ich begann endlich, von einem mächtigen Gefühle beseelt, die Fürsprechen» der Kranken zu werden. Das Bild der Unbekannten, so hülfsbedürstig, so verlassen, der drohendsten Gefahr preisgegeben, stand lebendig vor meiner Seele.Laß sie kommen!" rief ich ans.Viel­leicht gehört sie einer glücklichen Familie an, vielleicht retten wir das Leben einer Mutter." Martha, von gleichem Ge­fühle erfaßt, stimmte nun auch mit ein, und meine Mutter winkte bejahend. Der Posthaltcr grüßte uns sehr ehrerbietig, und eilte hinaus, die nöthigen Befehle zu geben. Martba aber griff nach den Schlüsseln, während ich mich anschickte, das Bett zu bereiten.Eines," bemerkte meine Mutter, uns zurückwinkcnd,Eines bedinge ich mir aus, bevor wir ans Werk schreiten! ^Wir wollen nicht furchtsam, aber vorsichtig handeln. Keines von Euch nahe der Kranke», nur ich allein. Ihr befolgt gcwissenbast, was ich vorschreiben werde!"

t>6 fllötter aus vem «Jagtbudjt einer preÄigerrlochter.

hoffe auf unsere Menschenfreundlichkeit, da bei ihrem Zustande an ein Weiterfahren nicht zu denken sei. Meine Mutter, obgleich sonst zu jedem ähnlichen Dienste bereit, schien doch einige Augenblicke bedenklich, und fragte nach der Art ihrer Krankheit. Herr ffi"* stockte und entgcgnete nur, er glaube, daß schleunige Hülfe nöthig sei.Kommt die Krankc ans der Residenz, wo das ansteckende Uebel, die Cholera, von Neuem ausgebrochen ist?" forschte jene weiter. Der Befragte zuckte die Achseln, »nd wir sahen unsere Mutter erbleichen. Sie trat an das Fenster, blickte eine Weile nachdenkend vor sich hin, und sah uns daraus mit einem langen, ftagcndcu Blicke an.Wir sollen unsern leidenden Bruder nicht ver-