Schwesterliche. 125
Was heut' sic tief im vollen Herzen theilen —
Das ist die Lust, die Lieb' an der Natur!
Auf jeder Höhe wollen sic verweilen.
Und jedem Vöglein lauschen auf der Flur;
Am Kleinsten achtlos nicht vorübercilcn.
Und ivär's ein unbekanntes Blümchen nur,
Sie scheuen nicht der Steine schroffe Spitze»,
Das zarte Kind des Haines zu besitzen.
Bald haben sic sich nach vcrschiednen Seiten Entfernt, um lauschend hier und dort zu spähn.
Hier seh' ich eins mit Dornenranken streiten.
Das andre dort auf steiler Klippe stehn.
Ein duftig Haidcröschcn zu erbeuten,
Erklimmen sic die dicht verwachs'nen Höh»,
Bis jedes mit der schwer errnng'nen Beute Zurücke kehrt, zum friedlichen Geleite.
Wie frohe Kinder sich so gern begnügen Mit Allem, was die flncht'ge Stunde beut,
So glänzt auch bicr unschuldiges Vergnügen Aus jedem Zug mit reiner Heiterkeit.
In Fried' und Lust scheint sich das Herz zu wiegen.
Wie cS begrüßt die erste goldne Zeit;
Was hemmend auch der Seele Flug befangen.
Ist bei dem Weh» der lauen Lnft zergangen.
Im dunkle» Hain beginnet Philomcle
Ihr süßes Lied, das Lieb' und Schmerz bewegt. Schon hat sich leise in Donatus Seele Die Lust des fröhlichen Gcsang's geregt:

