SäiwtfltrUebe. 131
Wie wir erstaunt dem eignen Sinn nicht trauen.
Wenn wir des Traumes fabelhaftes Bild Im hellen Licht des Tages vor uns schauen.
Das kaum Geahnte wirklich fich erfüllt;
So blicken jetzt, bewegt von leisem Grauen,
Die Wandrer zweifelhaft in das Gcfild:
Sie wissen's nicht, — find dies die vor'gcn Höhen?
Sind sie es selbst, die solches Wunder sehen?
Doch freundlich fährt mit sanftberedtem Munde Die hohe Jungfrau fort: „Wie seltsam gleich Euch dünken mag die wunderbare Kunde,
Bald löset sich das dunkle Räthsel Euch! —
Entsprossen aus geheimem Geisterbunde,
Beherrsche ich der Wellen weites Reich,
Tief schöpf ich hier aus unversiegtcm Bronnen Die klare Flnth ans helle Licht der Sonnen.
„Weit reicht die Hand der inächtigcn Undinenl Es muß der Quell, der Strom, der Wasserfall,
Der kleine Bach im Moose ihnen dienen:
Die Flnth beherrschen sie ja überall.
Doch selten sind sie Sterblichen erschienen;
Tief wohnen sie in schimmerndem Krystall,
Und kaum darf einmal wohl in hundert Jahren Ihr Antlitz sich dem Lichte offenbaren.
„Einst lachte mir ein wonnevolles Leben!
Denn eine Schwester, zärtlich, hold und treu,
War zur Gefährtin freundlich mir gegeben.
Daß liebcreich mein stilles Dasein sei!
9 »

