Schwesterliche. 135

Da sah ich, wie tut schimmernde» Gemache Huldine eittsam und verlassen saß;

Stumm war ihr Schmerz, von einem Thräncnbachc Die zarte Wange und die Wimper naß!

Bald schien'-, als träunic sie, und bald, als wache Ihr Aug', das scheu die mächt'gcn Mauern maß,

Die ricscnstark, mit hochgcwölbtcn Bogen Sich um die Burg in stolzen Ringen zogen.

Und um das hohe Fenster schwirrt' ich lange Mit leichtem Fittig, bis sie mich erkannt.

Nun sprang sie auf und kam in raschem Gange,

Mich einzulassen mit gcschäft'gcr Hand.

Laut jubelnd küßt' ich ihre feuchte Waitgc,

Froh, daß ich mich in ihrer Näh' befand.

Und sagt' ihr, wie Dn ftcundlich inich gesendet,

Zn weilen, bis ihr Schicksal sich gewendet.""

Ach, seufzte sie, für niich ist jede Freude Mit meiner Freiheit goldnem Traum dahin!

Nach ihr sehnt sich mein Herz in bittrem Leide,

Bon der ich jetzt so streng geschieden bin!

Was nützt der Schimmer köstlicher Gcschnieide,

Was eitler Glanz, bei so betrübtem Sinn?

Was mich erfreut, blüht nicht auf diesen Höhen,

Es wohnt nur dort, in stiller Haine Wehen!

Denn wie, geraubt aus ihreiu dunklen Thäte,

Die Wasserlilie matt die Blätter senkt.

Wenn sie der Tag mir heißem Tonncnstrahlc Statt ihres Baches reiner Quelle tränkt