Das Rebhuhn.

ES war ein reicher Jude, der reiste durch ein König­reich und trug mit sich einen großen Schatz an Geld und Gut. Da ihn nun sein Weg durch einen großen Wald führen sollte, fürchtete er sich, daß er um seines Geldes willen darin etwa sein Leben lassen müsse, und ging daher zu dem Könige des Landes, reichte ihm sein Geschenk dar und bat, daß der König ihm einen sicheren Mann mitgebe zum Geleite durch den Wald und durch sein ganzes Reich. Da gebot der König dem Schenken, dem Juden das Ge­leit zu geben, und dieser that, was ihm geboten war und geleitete den Juden.

Als nun diese Beiden in den Wald gekommen waren, da gelüstete es dem Schenken nach dem Schatz des Juden, und er stand still auf dem Weg und sprach zu ihm:Gehe voran!" Der Jude erschrack, ahnte des Schenken böse Ab­sicht und wollte nicht vorangehen. Der Schenke zog als­bald sein Schwert aus der Scheide und rief:Jud, so mußt du hier von meiner Hand sterben!"O lieber Schenke, thut das nicht!" rief der Jude;solche Mordthat an mir würde nicht verborgen bleiben! Und ob heimlicher Mord von allen Menschen ungesehen vollzogen wird, so werden ihn die Vögel offenbaren, die unter dem Himmel fliegen!"

Wie der Jude das noch sprach, flog eben ein Rebhuhn im Walde auf und über ihnen beiden hin. Da hohnlachte der Schenke und sprach spöttisch:Hab Acht, Jude, das Rebhuhn wird's dem König sicherlich ansagen, daß ich dich hier ermordet." Und so ermordete der Schenke den Juden im Walde, nahm ihm all sein Geld und seinen Schatz,