wohl noch ein Weilchen bei deinem Bruder draußen bleiben können!" — „Damit Du mit der Mutter Schreibzeug spielen und Dich voll Tinte klecksen kannst, nicht wahr?" schalt Anna und stülpte den Deckel auf das Tintenfaß.
Als die Mutter spät Abends heim kam, schlief das Bübchen schon lange. Sie trat an sein kleines Bett und sah freudig seine rothen Bückchen an, da fiel der Schein ihrer Kerze auf sein Gesicht, er regte sich, machte die Augen auf und sagte halb im Schlaf: „Mütterchen, es sind noch viel Märchen im Tintenfaß!"
„Wir wollen sie alle herausholen," sagte die Mutter, und sie hat Wort gehalten.
In öer GHrislnncht.
Aas Bübchen lag und träumte, es wäre mit seiner Mutter in der Kirche, und die Glocken läuteten so hell, so feierlich. Auf einmal wachte er auf, und wirkliches Glockengeläute, das von der nahen Kirche in seine Ohren drang, machte ihn vollends munter. Er setzte sich im Bettchcn auf, da schlug eben die Uhr, im Nebenzimmer deutlich zwölfmal,
und zugleich ertönte vom Kirchthum herab das schöne Weihnachtslied: „Stille Nacht, heil'ge Nacht," von Hörnern geblasen^/ Ja, es war Christnachf^ Ein glückseliges Lächeln lief über des Bübchens Gesicht. Gestern war ja heiliger Abend gewesen, und all' die Herrlichkeiten, die ihm das Christkindchen gebracht, stan-

