wirklich die schreckliche Medicinflasche mit! Das Bübchen weinte und flehte, aber es half ihm nichts, er mußte die verzauberte Arznei einnehmen! Merkwürdigerweise schmeckte sie gar nicht schlecht, gerade wie Zuckerwasser — aber was lag daran, morgen, morgen sollte das Elend erst zum Vorschein kommen! Das Bübchen weinte sich in den Schlaf, schlief aber nachher recht fest und gut, so fest, daß die Mutter schon aufgestanden und ins Wohnzimmer gegangen war, als er aufwachte. Sein erster Gedanke war die Medicin — er fuhr sich mit den Fingern nach der Stirn, fühlte aber gar nichts Besonderes und dachte mit einem Stoßseufzer: Ach! der Doktor hat mich nur zum Besten gehabt! — Da ihm aber doch noch sehr beklommen zu Muthe war, sprang er im Hemdchen aus dem Bett und lief an der Mutter Ankleide-Spiegel, um sich zu beschauen. Mit einem lauten Schrei fuhr er zurück — auf seiner Stirn stand wirklich und wahrhaftig mit dicken rothen Buchstaben das Wort: Theater. Schluchzend warf er sich wieder aufs Bett und wäre am liebsten gar nicht aufgestanden, wenn er nicht gewußt hätte, daß der Vater darin keinen Spaß verstände, und er
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ganz und gar vergessen und kam ihm auch nicht eher wieder in den Sinn, bis er Abends nach Hause kam. So wie er aber die Wohuzimmerthür aufmachte und sein Blick auf den großen Eßtisch fiel, der jetzt ganz abgeräumt und zum Abendessen gedeckt dastand, fielen ihm alle seine Sünden ein. Es war ihm gar nicht wohl zu Blüthe. Die Mutter sagte kein Wort und war freundlich und lieb wie immer; als sie aber aufstand, um mit dem Bübchen schlafen zu gehen, nahm sie

