die jüngere Schwester, und diese wenigen waren meist geringe, einfache Sente. Aber das schöne Blümchen konnte bald merken, daß diese Alle die häßliche Schwester ihr bei Weitem vorzogen. Distelchen war so bescheiden, so gefällig, immer bereit Jedem hilfreich zn sein, daß Alle, die öfter ins Hans kamen, ihr über- ans gnt waren und ihre stillen Tugenden oft in Gegenwart des eitlen Blümchens lobten, die sich um keinen Menschen kümmerte, als um sich selber. Das verdroß nun das verwöhnte Blümchen über die Maßen, bis zuletzt ihr Neid gegen die Schwester förmlich zum Hasse ausartete, so daß sie alle Tage von Neuem wünschte, ihrer los zu sein.
Eines Tages, nachdem Distelchen alle Küchen- und Hausarbeit beendigt hatte, zog sie sich reinlich an, um sich noch ein Stündchen in den Garten zu setzen und zu spinnen. Da es ein heißer Tag war, setzte sie sich neben den Ziehbrunnen, wo es ihr am kühlsten schien, und spann eifrig darauf los. Als die Sonne untergegangen war, legte sie ihre Spindel auf den Rand des Brunnens und wand den Eimer herauf, um die Blumenbeete zu begießen. Dabei stieß sie unglücklicher Weise an die Spindel, die ganz voll Flachs gesponnen war, und stieß sie in den Brunnen hinunter. Distelchen erschrak sehr, denn die Spindel gehörte nicht ihr, sondern einer alten Base, die ohnehin das ganze Jahr über keifte und schalt und die sie ihr nur nach vielen Bitten geliehen hatte. Aengstlich lief Distelchen ins Hans und bat ihre Schwester, sie im Eimer in den Brunnen hinunter zu lassen, damit sie die Spindel wieder herausfischen könne.

