Lie bückte sich und kroch schnell hinaus, naß über und über, mit ihrer Spindel in der Hand. Als sie sich draußen auf­richtete, sah sie vor sich eine weite grüne Wiese, auf der eine Menge ganz kleiner Leutchen sich umherbewegten. Das waren die Erdmännchen und Erdweiblein. Die kleinen Männer trugen graue Röckchen, die ihnen bis an das bloße Knie gingen, und hatten lange, auf die Brust herabfallende Bärte; die Weiblein dagegen hatten braune Jacken an und spitzige Hütchen auf dem Kopfe. Als sie Distelchen erblickten, liefen sie Alle herbei, bildeten einen Kreis um sie her und sprachen und schrien sämmt­lich zu gleicher Zeit, so daß es ihr Anfangs unmöglich war, ein Wort zu verstehen. Nach und nach unterschied sie aber die kleinen, kreischenden Sümmchen von einander und da fand sie heraus, daß jedes der Weiblein ein Anliegen an sie hatte. Die Eine verlangte, sie möchte ihre Kuh melken, die Andere bat, ihr einen Dorn aus dem Fuß zu ziehen, den sie sich eingetreten hatte; die Dritte forderte, sie möchte doch, weil sie so groß wäre, ihr Hütchen vom Apfelbaum herunterlangen, auf den ihr's aus Schabernack eines der Erdmünnchen ge­hangen hatte und so brachte Jede ein anderes Anliegen vor. Distelchen nickte Allen freundlich zu und that der Reihe nach Alles, was von ihr verlangt wurde, obgleich viel Zeit darauf ging und sie bei all' den Verrichtungen ganz müde wurde. Zuletzt mußte sie noch bei einem kleinen Erdkindchen Gevatter stehen, das war so klein, daß sein Gesichtchen nicht größer aussah als ein Zweigroschenstück, und daß Distelchen es, während es getauft wurde, in der hohlen Hand hielt. Es