107

Bübchen kärglich damit, daß sie Netze streckte und verkaufte, und bald lernte der Kleine, ihr bei diesem Geschäft zu helfen. Sowie er aber etwas heranwuchs, hatte er keine Ruhe mehr im Hause, sondern bat die in der Nähe wohnenden Fischer, ihn zu ihrem Fischfang aus die Ostsee mit hinauszunehmen. Sobald er aber kräftig genug war, selbst ein Boot zu regieren, fuhr er allein auf den schwarzen See und ftschte dort, wie es vor ihm sein Vater gethan hatte. Von dieser Zeit an hatte alle Noth ein Ende, denn es gab dort Fische genug, die dann die Mutter in der Jnselstadt gut verkaufte.

Es hatte nämlich mit dem schwarzen See eine eigene Be- wandtniß. Kein anderer Fischer nwchte darin gern seine Netze und Angeln auswerfen, denn es ging die Sage, daß man dort gegen Abend immer aus der Tiefe des Wassers hervor Glockengeläute höre, und das war den Leuten so unheimlich, daß sie lieber auf der Ostsee ihrem Fang nachgingen. Hermann fürchtete sich aber nicht vor dem Gerede; hatte ja sein Vater- dort so lange Jahre gefischt und war ihm nichts zu Leide geschehen. Auch hatte er dort nun schon so oft sein Netz aus­geworfen und niemals etwas Besonderes gesehen oder gehört. Eines Tages jedoch war er durch den Besuch eines Verwandten, der vom festen Lande hergekommen war, um die Mutter zu besuchen, in seinem Geschäft gestört worden und fuhr deshalb noch des Abends in den See hinaus, um nach den ausgespannten Netzen zu sehen. Der Mond war schon heraufgestiegen, und es hing wie Silber-süden an allen Büschen und Bäumen. Das dunkle Wasser sah schimmernd und wunderschön aus, und es