Seit dieser Zeit hat Niemand mehr Seufzer, die wie Glocken klangen, aus dem Grunde des schwarzen Sees auf- tönen hören. Dem muthigen Hermann aber ist es gut gegangen, so lange er lebte.

Die Windsbraut.

Hs war einmal eine Prinzessin, die hieß Tigrania und war so schön wie der Tag. Man konnte sich gar nicht satt an ihr sehen, und der Ruf ihrer wundersamen Schönheit ver­breitete sich über alle Länder und Meere hinaus. Natürlich kamen von allen Ecken und Enden der Welt Prinzen herbei, um sie zu freien, denn Jeder wollte gern ein solches Wunder als Braut heimführen. Tigrania aber lachte und spottete nur über alle diese Freier, sie mochten so stattlich und hochgeboren sein, als sie wollten. Die schöne Prinzessin war nämlich von Herzen eben so grausam und hochmüthig, als holdselig von Angesicht, und wenn einer der abgewiesenen Bewerber sich aus Verzweiflung ins Wasser stürzte oder sich das eigene Schwert in den Leib rannte, so machte sie sich gar nichts daraus und freute sich sogar darüber, weil dadurch der Ruf ihrer Schön­heit noch weiter ausgebreitet wurde.

Die heirathslustigen Prinzen ließen sich jedoch durch Ti- grania's Kieselherz nicht abschrecken, um so weniger, als es am Hofe des Königs, ihres Vaters, alle Tage etwas Gutes zu essen und zu trinken gab, und zuletzt waren ihrer so viele dort zu Gast, daß der König in seinem eigenen Schlosse keinen Platz