hatte zwar gar keine Vorstellung davon, wer der Blei-Ritter sein möge, aber ihre Beschämung über die Zurückweisung des Prinzen und ihr Zorn über ihn waren so gewaltig, daß sie ganz bereit war, den nächsten besten Freier als Rächer anzunehmen. Bebend vor Haß und Wuth ließ sie ihre Hand in die bleierne Fällst fallen.
In diesem Augenblicke verdunkelte sich mit einem Male die Luft, ein gewaltiges Brausen, das mit jedem Augenblicke wuchs, fuhr und dröhnte durch den ganzen Raum, und vor den entsetzten Augen der Anwesenden dehnte sich die Gestalt des bleifarbigen Ritters zu einem ungeheuren Wolkengebilde aus, das sich auf zwei Riesenfittigen in die Luft erhob, die schöne Tigrania in seinen gewaltigen Armen mit sich in sein Wolkenreich entführend.
Seit dieser Zeit hat der Windgeist die ihm verfallene Braut immer in seiner Gesellschaft, wenn er drohend durch die Welt führt, Schiffe scheitern läßt und Bäume entwurzelt. Man hört dann oft ein langgezogenes Stöhnen und Klagen in den Lüften — das ist ihre Stimme, lind wenn der Sturmwind brausend um die Häuser fährt, daß die Fenster klirren und die Balken zittern, dann sagen die Menschen: „Das ist die Windsbraut!"
Drunten im Königreiche haben sich aber Alle bald getröstet, nachdem der erste Schreck vorüber war. Sogar der alte König weinte ihr nicht lange nach, denil Tigrania war zu lieblos von Gemüth gewesen, als daß er sie so recht lieb haben konnte. Er erwählte den Prinzen Adobar zu seinem Sohn und Erben,
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