weit gelangen zu können, bevor sich die Schaar der Wiesenblumen mit ihren Vettern und Bekannten abwehrend entgegenstellen konnten. Die Blumen sahen wirklich arglos der Schaar der Zwerge nach, sie schienen nicht zu ahnen, daß diese mit so bösem Vorsatz ihr Reich unter der Erde verlassen hatten; zudem waren sie müde und schläfrig und sehnten sich nach Ruhe.
Der kühle Abendthau senkte sich auf die matten Blüten hernieder und die Winde, sowie die gelbe Ringelblume hüllten sich in ihre Blütenblätter, während die Glockenblumen ihre Kelche matt zur Erde sinken ließen.
König Terrarius frohlockte; — einige Schritte noch und das Gebüsch war erreicht, an besten Fuß die Primel stand.
„He, Puck!" sprach leise ein Zwerglein zu seinem Nachbarn, der ängstlich herumblickte; „mir scheint, du fürchtest dich, hast wohl recht dicke lederne Hosen angezogen, daß kein Bienenstachel deine werthe Haut durchdränge."
„Schweig doch," flüsterte der Andere, „du hast auch noch nicht die Bekanntschaft der Hummeln gemacht, die einen Stachel führen, so spitz und blank wie ein zweischneidiges Schwert."
„Still, da hinten!" rief jetzt Terrarius, der das Gebüsch erreicht hatte, „umstellt den Platz, während ich und Margot die Primel zu fassen suchen."
Jetzt stürzte der König vorwärts, da summte und brummte es rings umher aus den Gräsern, ein Schwärm von Hummeln und Bienen warf sich den verwegenen Zwerglein entgegen. —
„Halt deinen Hut," rief der boshafte Zwerg, der früher gesprochen, seinem Nachbarn zu, — „die Hummeln sind da und werden dir ihre Eier auf den Kopf legen."
Terrarius focht wie ein Held, er sah nun ein, daß er verrathen worden; vergeblich suchte er sich zur Primel durchzuschlagen. Diese lehnte sich an Prinz Adonis, der die spitzen Blätter wie Stacheln schützend um sie breitete.
Einige Hummeln stürzten sich auf Terrarius, der Schritt für Schritt zurückwich. Jetzt schnellte Margot einen Pfeil mit sicherer Hand gegen den Prinzen; — Adonis stürzte tödtlich verwundet zusammen. Durch den Schmer- zensruf der Primel angefeuert, warfen sich nun die Bienen und Hummeln auf ihre Feinde.
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Pichler, Märchen. 4

