unheimlich und abstoßend war sein Gebühren. Lieblich und reizend war hingegen seine Tochter Florinde, die leicht und zart wie der Hauch des Windes über den Waldboden dahinschwebte.
Eines Tages waren Beide in der Wildniß erschienen und hatten von dem alten verfallenen Schlöffe mit seinem hohen Thurm Besitz ergriffen. Florinde führte den kleinen Haushalt, und mährend der Alte von der Höhe des Thurmes stundenlang in die blaue Ferne starrte, schaltete und waltete die Tochter in den düstern Gemächern des unheimlichen Baues.
Jetzt trat sie aus dem verfallenen, epheuumrankten Thor in's Freie auf eine kleine lichte Waldstelle, und zog einen goldenen Reif vom Finger, der blinkend die Strahlen der Morgensonne zurückwarf. Einen Augenblick betrachtete sie sinnend das Kleinod. Ein Wörtlein war in das Metall gegraben und schien traurige Erinnerungen in dem Mädchen wachzurufen. Noch einmal zog sie den Reif vom Finger und hielt ihn gegen die Sonne.
Da huschte lautlos ein Vogel vom nahen Busche; — schnell hatte sein dünner Schnabel den Ring erfaßt, ein Ruck und der freche Räuber war mit dem Kleinod verschwunden.
Erschrocken und bestürzt stand das Mädchen einen Augenblick; dann lief sie weinend die Thurmtreppe hinauf, um dem Vater das Unheil, das sie betroffen, mitzutheilen.
Fräulein Elster, denn dies war die kühne Räuberin, hatte von einem hohen Baume aus der Flucht des Mädchens zugesehen, jetzt streifte der eitle Vogel den Reif über den Hals und flog dann wohlgemuth dem sichern Reste zu, in welchem sich die alte Elster der Ruhe hingab.
Die Frau Mama schlief noch, als das gefallsüchtige Fräulein zur Schule eilte.
Herr Igel machte gar verwunderte Augen, als er die kleine Modenärrin, wie er sie nannte, mit dem glitzernden Ring um den Hals erblickte, die anderen Mädchen aber kicherten - oder ärgerten sich aus Neid, daß nicht auch sie solch kostbares Geschmeide anzulegen hatten.
„Woher hast du denn den schönen Ring?" begann Käthchen, das weibliche Häschen.
„Von der Tochter des Alten," antwortete dreist die Elster, welche nun
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