Da gab es nun Vorwürfe und schweren Verdruß; doch half dies alles nichts, und wollte man Gewisses erfahren, so mußte man zu dem schwe­ren Schritt sich entschließen, bei den Grünspechts selbst Erkundigungen einzu­ziehen. Dies hieß allerdings die eigene Schande eingestehen und keines von beiden wollte sich der Gefahr aussetzen, von dem starken Grünspecht arg miß­handelt zu werden.

So saßen Beide verdrossen und ärgerlich auf ihrer Eiche und sahen zu dem Fußsteige hinüber, der über deni Wildbach hinab in das Thal führte.

Da hörten sie plötzlich den wohlbekannten Kuckuksruf und gleich darauf flog aus dem jenseitigen Walde ein junger Kuckuk herab auf den Fußsteig.

Der Fremde trug die Reisekleidung und eine kleine Tasche; er schien soeben angekommen und suchte nach den ihm vom Vorjahre bekannten Plätzen.

Erschrocken und im Innersten bewegt, blickten beide nach dem Wanders- mann; jetzt flog der junge Kuckuk auf und setzte über die Schlucht. Einen Augenblick noch und auf dem Aste vor ihnen saß der Fremde. Er lüftete höflich sein Hütchen und seine Stimme klang zaghaft, als er nach dem Wohn­sitz der Grünspechte frug, denn diese wollte er aufsuchen.

Kennt Ihr die Grünspechts?" begann nun der Alte, der seine Bewe­gung kaum zu bemeistern wußte.

Natürlich," sagte der Kuckuk,wie soll ich sie nicht kennen, bin ja bei ihnen aufgewachsen!"

So, so!" brachte der alte Kuckuk hervor, während die.Mutter'die Thränen mit Mühe zurückhielt.

Der junge Kuckuk bemerkte die schmerzliche Bewegung der beiden, doch konnte er sich diesen Umstand nicht erklären. Er erbat sich schnell Auskunft über den nächsten Weg zu den Grünspechts und flog dann rasch durch den grünen Busch.

Der junge Kuckuk hatte auf seiner Reise nach dem Süden Glück gehabt. In dem großen Park eines Schlosses hatte er sich ermüdet niedergelassen. Sein Ruf war in dem stillen einsamen Garten nicht ungehört verhallt. Die Kinder des Schlohherrn suchten den seltenen Wanderer auf; man bemühte sich, durch Speise und Trank und durch niedliche hölzerne Kästchen den Flüchtigen