„Eine schöne Schnur rother Korallen!" sagte jetzt Martha, „wenn solche jetzt noch zu haben wären; doch kommen die Händler mit derlei Schmucksachen erst im nächsten Monat in diese Gegend, jetzt wagt es Keiner, die gefährliche Reise über das Gebirge zu unternehmen."
„Du hast Recht, in acht Tagen sollst du vermählt sein, und bis dahin wird kein Krämer hierherkommen."
Die Mädchen bedauerten, daß der sehnliche Wunsch der Braut nicht erfüllt werden konnte, doch gab es kein Mittel, das Unmögliche möglich zu machen, und weit und breit besaß Niemand einen Schmuck, den er am Hochzeitstag der schönen Martha zur Verfügung stellen konnte.
Die Mädchen dachten schon nicht mehr daran, nur in Martha war der Wunsch nach dem Korallenschmuck desto lebhafter geworden, je mehr sie die Unmöglichkeit einsah, ihre Sehnsucht zu befriedigen. Martha's Mutter war schon lange gestorben, und der alte Vater sann vergebens nach, wie er den Wunsch der Tochter erfüllen könne. Da trat unvermuthet ein junger Mann in die Stube des Alten. Die Kugelbüchse hing über den Rücken und das
sonnenverbrannte Antlitz, wie die sehnige elastische Gestalt ließ den kecken
Gemsjäger erkennen, dem kein Steg zu steil und keine Felswand zu hoch war, um sein scheues Wild zu verfolgen.
„Was macht Martha, wie geht es meiner Braut?" waren des Jägers erste Worte, als er eintrat, dann ergriff er des Alten Hand und drückte sie kräftig.
„Es geht ihr gut;" gab der Andere zurück; „doch solltest du die gefährliche Jagd jetzt lassen, es geziemt sich nicht für den Bräutigam, so waghalsig das Leben auf's Spiel zu setzen."
Der Alte wollte wohl noch länger dem jungen Mann das Thörichte seines Treibens auseinandersetzen, doch trat jetzt die Tochter in's Zimmer und dadurch wurde die Strafrede des Vaters unterbrochen.
„Nach der Hochzeit wird er das Ding schon lassen," tröstete sich der Alte und ging mit Ruodi dem Mädchen entgegen.
„Wie schön du bist!" rief voll Freude der Jäger, der die Hand der Braut ergriff. „Das weiße Kleid mit dem rothen Aufputz steht dir vortrefflich zu Gesicht — nur am Halse — nun den Hals sollte noch etwas schmücken!"
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