und dem ängstlichen Blick des Jägers zeigte sich der Eingang zur Eishöhle, der mit seinen Eis- und Kristallzapfen gar seltsame Formen in dem fahlen Lichte annahm.
„Wie thöricht ich bin," — lispelte der Wanderer, „die Jungfrau ist fort — oder niemals gewesen; — ist es mir doch, als hätte ein wüster Traum mit mir sein Spiel getrieben. Hinweg mit den quälenden Gedanken! — „Doch, — was regt sich da drüben, — was huscht dort nur die Biegung der Straße? — Ein Nebel ist's, — nein, ein flatterndes Frauengewand!" — Der Jäger stand still, es war ihm, als wären ihm die Füße zu Eis erstarrt; vergebens wollte er weiter. Da zog sich vor ihm eine weiße Wolke zusammen, ein Nebelstreis, der von dem überhängenden Schneefeld herunter- huschte und sich gleich einer Wand vor ihm aufthürmte. In dem Nebel unterschied er das blasse liebliche Gesicht der Eisjungfrau, er sah ihr bläulich Kleid schimmern und unterschied die drohend gehobene Hand.
„Du Treuloser," drang eine Stimme schwach an sein Ohr, — „du hast mich schnöde verlassen; ich liebte dich, darum will ich dir die Strafe schenken; du magst also ungefährdet deinen Weg fortsetzen, doch wage es nicht noch einmal, den Berg zu besteigen und in mein Reich einzudringen. Du wärest dem Zorne meiner Unterthanen verfallen und rettungslos verloren!"
Der Nebel zerrann, von der Schneewand löste sich eine gewaltige Masse und stürzte donnernd über die Straße den Abhang hinab.
Der Jäger, so bestürzt er gewesen, faßte nun wieder neuen Muth. „Fortan will ich die Gegend meiden, doch jetzt noch etwas Kraft, um das ersehnte Ziel zu erreichen!" —
In dem Hause der Braut herrschte Schrecken und Besorgniß, als man das Schreiben Ruodi's erhielt, worin er den Entschluß ankündigte, den von seiner Braut so sehnlich gewünschten Schmuck selbst herbeizuschaffen.
Wohl sah Martha darin einen neuen Beweis der Liebe und Aufopferung ihres Verlobten, doch machte sie sich heftige Vorwürfe, durch ihre strafbare Eitelkeit Ruodi der augenscheinlichsten Gefahr ausgesetzt zu haben. — Die herrliche Sonne Italiens, der blaue wolkenlose Himmel und das fröhliche Treiben der Menge in der Stadt des Südens, in welcher jetzt der Jäger weilte, hatte die letzte Spur von Schwermuth und Angst in ihm verscheucht.
70

