Da er nun fest schlief, rauschte ein stattlicher Ritter in blan­ker Rüstung auf schwarzem Roß daher. Wie der den Knaben liegen sah, hielt er an und dachte bei sich:Ich habe mir schon lang ein Kind gewünscht, gewiß ist dies ein älternloses, und der liebe Gott hat mich hieher gesandt, dass ich'S mit mir nehme, auferziehe und so vom Hungertod rette!" Er hob den Knaben sachte auf sein Roß und ritt seiner Burg zu.

Als nun Theowald erwachte und sah, dass er in einem schö­nen Saal war, erschrak er und wollte davonlaufen; aber er ver­stand nicht die Thür aufzumachen, und der Ritter Georg, denn so hieß er, hielt ihn auf, sprach freundlich mit ihm und ließ sich von ihm erzählen, wer er sei und wie er in den Wald gekom­men. Als nun Theowald sagte, daß er mit Schwester Lenchen und der Hirschkuh in einer Höhle wohne, wollte der Ritter es nicht glauben; denn er war ein schöner, feiner Knabe mit lan­gen blonden Locken, und die Täubchen hatten von Zeit zu Zeit feines, grünes Tuch neben sein Bettchcn gelegt, dass ihm Lenchen daraus Kleider anfertigen konnte. Theowald bat den Rit­ter, er möchte ihn wieder in den Wald lassen. Dieser hatte ihn aber schon so lieb gewonnen, dass er sich gar nicht von ihm tren­nen mochte. Deshalb zeigte er ihm seine vielen, schönen Zimmer, führte ihn in den Saal, wo alle seine Rüstungen und Waffen hingen, dann auf den Burghof und in den Pferdstall, wo wol hundert muthige Rosse standen, ließ Theowald auf einem kleinen Rößchen aufsitzen und rings um den Burghof reiten. Das alles machte Theowald große Freude, und als der Ritter ihm gar ver­sprach, er sollte auch ein Pferdchen und eine Rüstung haben und ein Ritter werden, entschloß er sich bei ihm zu bleiben; das treue Lenchen hatte er beinahe ganz vergessen.

Das saß unterdeß zu Haus in der Höhle und wartete sehn­lichst, dass Theowald zurückkommen sollte; und da die Sonne

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