Der Wolf und der Mensch.
Bank, deutsches Lesebuch.
Der Fuchs erzählte einmal dem Wolfe von der Stärke des Menschen. „Kein Thier," sagte er, „kann ihm widersteh», und sie müßen List gebrauchen, um sich vor ihm zu retten." Da antwortete der Wolf: „Wenn ich nur einmal einen zu sehn bekäme, ich wollte doch auf ihn losgchen!" — „Dazu kann ich dir helfen," sprach der Fuchs, komm nur morgen früh zu mir, so will ich dir einen zeigen." Der Wolf stellte sich frühzeitig ein, und der Fuchs gieng mit ihm an den Weg, wo der Jäger alle Tage herkam. Zuerst kam ein alter, abgedankter Soldat. „Ist das ein Mensch?" fragte der Wolf. — „Nein," antwortete der Fuchs, „das ist einer gewesen." Darnach kam ein kleiner Knabe, der zur Schule gieng. „Ist das ein Mensch?" — „Nein, das will erst einer werden!" Endlich kam der Jäger, die Doppelflinte auf dem Rücken und den Hirschfänger an der Seite. Da sprach der Fuchs zum Wolfe: „Siehst du, dort kommt ein Mensch, auf den mußt du losgchn; ich aber will mich in meine Höhle machen."
Der Wolf gieng nun auf den Menschen los. Der Jäger, als er ihn erblickte, sprach: „Es ist Schade, daß ich keine Kugel geladen habe," legte an und schoß dem Wolfe das Schrott in das Gesicht. Der Wolf verzog das Gesicht gewaltig, doch ließ er sich nicht schrecken und gieng vorwärts. Da gab ihm der Jäger die zweite Ladung. Der Wolf verbiß den zweiten Schmerz auch und rückte dem Jäger doch zu Leibe. Da zog dieser seinen Hirschfänger und gab ihm links und rechts tüchtige Hiebe, daß er über und über blutend und heulend zu dem Fuchse zurücklief.
II

