ihr schadet dem Thiere, wenn ihr es hart nnfafft." Die Kinder liefen also voraus, und Haunchen, das jüngere, holte geschwind ein Kissen aus seinem Bcttchcn und legte es in einen Winkel der Stube. „Hier, liebe Mutter," sagte es, „setze das Kätzchen her; wir wollen dabei bleiben." Beide lagerten sich neben dem Kissen auf die Erde und streichelten das Thierchen, das sich wieder etwas zu erholen schien, während die Mutter Suppe kochte. Als diese fertig war, gab sie ihm ein Näpfchen voll und sagte: „Da, liebes Kätzchen, iß!" Das Kätzchen richtete sich auf, fraß und ward darauf munter und lustig, worüber die Kinder eine herzliche Freude hatten. Aber wie erstaunten sie, als das Kätzchen zu sprechen anfieng und sagte: „Habt Dank, ihr guten Leute, daß ihr mich aufgenommen und verpflegt habt. Ich will euer eingedenk sein und euch versorgen." Und auf einmal verschwand das Kätzchen. Da merkte die Mutter, daß es eine Fee gewesen, und verbot den Kindern, irgend jemand etwas davon zu entdecken.
Nach einigen Tagen gierig die Mutter wieder in den Wald und traf an eben der Stelle, wo das Kätzchen gelegen hatte, eine schön geputzte Dame, die ihr fünf Stricknadeln überreichte und zu ihr sagte: „Nimm hin den Dank, den ich dir schuldig bin, und sei mitleidig gegen Unglückliche, auch wenn es dir wolgeht." Die arme Frau wollte eben fragen, was sie damit machen sollte, da sie selbst schon genug Stricknadeln hätte; aber — weg wardieDame. „Hm," dachte sie, „das ist auch ein kleines Geschenk! eine Fee hätte mir wol etwas Besseres geben können." Sie ward darüber so ärgerlich, daß sie mehr als einmal im Begriffe war, die Nadeln wegzuwerfen. „Wenn es noch," sagte sie, goldene oder silberne Nadeln wären, so könnt' ich sie verkaufen; aber was soll ich mit diesen?" Zum Glücke behielt sie die Nadeln doch und nahm sie mit nach Hause.
Am Abend gab sie die Nadeln dem ältern Kinde und sagte:
Hermann, Märchenkranz II. Auflage. 4
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