schweres Amt, Frau Trulle! du sollst über die Kinder wachen, noch dazu die ganze Wirthschaft in Obacht nehmen! Aber wer den guten Willen hat, dem ist es nicht zu schwer, daß er es nicht ausführen könnte, und ich denke, du bist grade die Frau, die ihren Dienst nicht vernachlässigen wird."
Frau Trulle nahm die Schlüssel in Empfang, machte einen Knix nach dem andern vor dem Grafen und versprach ihm treu und redlich zu sein. In ihrem Herzen aber dachte sie: „Es wird schon einmal die Zeit kommen, wo ich euch alle hinters Licht führe! Bis dahin will ich geduldig harren und nur so nebenbei dann und wann den Kindern einen Puff geben.
Der Graf war froh. daß er des Sorgens für die Erziehung seiner Kinder los war, und kümmerte sich nicht viel mehr um sie, weil er sie in Frau Trulle's Obhut gut aufgehoben glaubte. Er 4 p ritt Sommer und Winter von Früh bis Abend im Walde um
her, jagte das Wild und war zufrieden, wenn er bei der Rückkehr zu Hause ein gutes Abendessen vorfand. Das Kochen verstand aber Frau Trulle aus dem Fundament, und da sie den Grafen immer bei guter Laune erhalten wollte, so gab sie sich Mühe und kochte ihm seine besten Leibgerichte mit so viel Ge- schicklichkcit, daß sie jeden Tag höher in seiner Gunst stieg, und daß sie im Schlosse schalten und walten durfte, als wäre sie in ihrem Eigenthum. Gegen das Gesinde war sie grob und schalt es bei jeder Gelegenheit aus, und selbst die Kinder des Grafen schonte sie nicht, sondern knaufte sie manchesmal, daß sie braun und blaue Flecken auf ihren kleinen Rücken bekamen.
Kam das Gesinde zum Herrn, um sich über Frau Trulle zu beklagen, so hörte er es nicht einmal an, sondern jagte es mit Scheltworten aus seiner Stube; denn er glaubte der Frau Trulle, weil sie so gut kochte, so schön zu plaudern und ihm die langen Abende zu verkürzen wußte, mehr als allen andern.
r

