Der fromme Sohn wußte nicht, wie er während seiner Ab­wesenheit für den eingekerkerten Vater sorgen solle, damit derselbe nicht vor Durst und Hunger umkomme. Er brachte ihm alles, was noch an Lebensmitteln im Hause war, und klagte ihm seine Noth, daß er vielleicht nicht mehr wiederkehren werde, und daß dann sein geliebter Vater elend um's Leben kommen müsse. Der Alte gab zur Antwort:Kehrst du von diesem Zuge nicht zurück, so übergeb' ich gern meinen schwachen Lebcnsrest dem Tode. Da­mit ihr aber bei dem Kampfe mit dem Ungeheuer nicht um's Leben kommt, so höre meinen Rath! er wird euch von Nutzen sein. Die Höhle, welche das Unthier bewohnt, hat unter der Erde hundert und aber hundert Winkel und Gänge, die kreuz und quer laufen, so daß ihr, wenn ihr auch den Feind erschla­get, doch den Ausgang nicht mehr finden und elend verschmach­ten werdet. Nimm daher unsre schwarze Stute, die mit einem Füllen auf der Weide geht und führe sie beide mit vor die Höhle. Dort schlachte und begrabe das Füllen, die Mutter aber nimm mit in die Höhle, sie wird euch, wenn ihr den Kampf glücklich bestanden habt, wohlbehalten an's Tageslicht bringen."

Nachdem der Alte so gesprochen hatte, nahm der Sohn un­ter Thränen Abschied und zog mit andern Männern von bannen. Vor der Höhle that er mit dem Füllen nach seines Vaters Ge­heiß, ohne jedoch den andern zu sagen, was er damit beabsichtige.

Das Unthier in der Höhle war endlich nach hartem Kampfe getödtet; aber der Schrecken verbreitete sich unter den Kämpfern, als sie wahrnahmen, daß trotz allem Suchen kein Ausgang mehr zu finden sei. Da gieng jener mit seinem schwarzen Pferde vor­an und forderte die andern auf, ihm zu folgen. Die Stute be­gann nach dem Füllen zu wiehern und zu suchen, war auch bald auf dem rechten Weg und kam an den Ausgang der Höhle. Als die Männer sahen, wie sie durch die List ihres Kampfbruders

144