Hierauf verließ er die Prinzessin, und sie weilte keinen Augen-- blick, mit dem Zauberstabe laut Anweisung zu verfahren, nach­dem sie den Deckelkorb geöffnet hatte.Brinhild," rief sie,liebe Brinhild, erscheine!" und Brinhild lag zu ihren Füssen, umfaßte die Knie ihrer Gebieterin und benetzte ihren Schooß mit Frcu- denzähren und liebkoste sie freundlich, wie sie sonst zu thun pflegte. Die Täuschung war so vollkommen, daß Emma selbst nicht wußte, wie sie mit ihrer Schöpfung daran war, oder ob ein Blendwerk das Auge betrog. Sie überließ sich indessen ganz den Empfin­dungen der Freude, ihre liebste Gespielin um sich zu haben, lust­wandelte mit ihr Hand in Hand im Garten umher und pflückte ihr goldgesprenkelte Äpfel von den Bäumen. Hierauf führte sie ihre Freundin durch alle Zimmer im Palaste bis in die Kleider­kammer. Alle Schleier, Gürtel u. s. w. wurden gemustert und anprobirt. Die untergeschobene Brinhild wußte sich dabei so gut zu benehmen und zeigte so viel Geschmack in der Wahl und An­ordnung des weiblichen Putzes, daß, wenn sie ihrem Wesen nach nichts als eine Rübe war, ihr wenigstens niemand den Ruhm absprechen konnte, die Krone ihres Geschlechtes zu sein.

Der spähende Gnom war entzückt über den Tiefblick, den er in das weibliche Herz gethan zu haben vermeinte und freute sich über den guten Fortgang in der Menschenkunde. Die schöne Emma düukte ihn jetzt schöner, freundlicher und heiterer zu sein, als je­mals. Sie unterließ nicht, ihren ganzen Rübenvorrath mit dem Zauberstabe zu beleben, gab ihnen die Gestalt der Jungfrauen, die ihr vordem aufzuwarten pflegten, und weil noch zwei Rüben übrig waren, bildete sie die eine zu einer Cyperkatze um, und aus der andern schuf sie einen niedlich hüpfenden Bcni. Sie rich­tete nun ihren Hofstaat wieder ein, theilte einer jeden der auf­wartenden Dirnen ein gewisses Geschäft zu, und nie wurde eine Herrschaft besser bedient. Das Gesinde kam ihren Wünschen zu-

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