den herrlichsten Farben leuchteten; blaue und goldgelbe Schmetterlinge wiegten sich auf den Blüten; in Käfigen aus glänzendem Draht hiengen an den Spalieren vielfarbige Bügel, die herrliche Lieder sangen, und Kinder in weißen, kurzen Röckchen, mit gelockten, gelben Haaren und blauen Augen sprangen umher; einige spielten mit den kleinen Lämmern, andre fütterten die Bügel, oder sie sammelten Blumen und schenkten sie einander; andre wieder aßen Kirschen, Weintrauben und Aprikosen. Keine Hütte war zu sehn; aber wol stand ein großes, schönes Haus mit eherner Thür und erhabenem Bildwerk leuchtend in der Mitte des Raums. Marie war vor Erstaunen außer sich und wußte sich nicht zu finden. Da sie aber nicht blöde war, gieng sie gleich zum ersten Kinde, reichte ihm die Hand und bot ihm guten Tag. „Kommst du, uns auch einmal besuchen?" sagte das glänzende Kind; „ich habe dich draußen laufen und springen gesehn; aber vor unserm Hündchen hast du dich gefürchtet." „So seid ihr wol keine Zigeuner und Spitzbuben, wie Andres immer spricht?" sagte Marie. „O freilich ist der nur dumm, und redet viel in den Tag hinein." — „Bleib'nur bei uns," sagte die wunderbare Kleine, „es soll dir schon gefallen." „Aber wir laufen ja in die Wette."
„Zu ihm kommst du noch früh genug zurück. Da nimm, und iß." Marie aß, und fand die Früchte so süß, wie sie noch keine geschmeckt hatte, und Andres, der Wettlauf und das Verbot ihrer Ältern waren vergessen.
Eine große Frau in glänzendem Kleide trat herzu und fragte nach dem fremden Kinde. „Gnädige Frau," sagte Marie, „von ungefähr bin ich hereingelaufen, und da wollen sie mich hier behalten." „Du weißt, Zerina," sagte die Frau, „daß es ihr nur kurze Zeit erlaubt ist; auch hättest du mich erst fragen sollen." „Ich dachte," sagte Zerina, „weil sie doch schon über die Brücke gelassen war, könnt' ich es thun; auch haben wir sie
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