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rauschend auf eine goldne Krone, die unter dem hohen Fenster schwebte, welches von oben die Wölbung erleuchtete. Sein Gefieder war purpurn und grün; auf seinem Haupte bewegte sich ein Diadem von hellleuchteudeu kleinen Federn, die wie Edelsteine blitzten; der Schnabel war roth, und die Beine glänzend blau. Wenn er sich regte, schimmerten alle Farben durcheinander, und das Auge war entzückt. Seine Größe war die eines Adlers. Aber jetzt öffnete er den leuchtenden Schnabel, und aus seiner Brust quoll eine Melodie, schöner als die der Nachtigall. Als er geendigt hatte, neigten sich alle vor ihm; er umflog wieder in Kreisen die Wölbung, schoß dann durch die Thür und schwang sich gegen den Himmel, wo er aber bald nur wie ein rother Punkt erglänzte und sich dann verlor.
„Warum seid ihr alle so in Freude?" fragte Marie und neigte sich zum schönen Kinde, das ihr kleiner, als gestern vorkam. „Der König kommt," sagte die Kleine, „den haben viele von uns noch nicht gesehn, und wo er sich hinwendet, ist Glück und Fröhlichkeit. Wir haben schon lang auf ihn gehofft, sehnlicher, als ihr nach langem Winter auf den Frühling wartet; und nun hat er durch diesen schönen Botschafter seine Ankunft melden lassen. Dieser herrliche und verständige Vogel, der im Dienste des Königs steht, heißt Phönix. Er lebt fern in Arabien auf einem Baume, der nur einmal in der Welt ist, so wie es auch keinen zweiten Phönix gibt. Wenn er sich alt fühlt, trägt er aus Balsam und Weihrauch ein Nest zusammen, zündet es an und verbrennt sich selbst. So stirbt er singend, und aus der duftenden Asche schwingt sich dann der verjüngte Phönix mit neuer Schönheit wieder auf. Selten nur nimmt er seinen Flug so, daß die Menschen ihn sehen, und geschieht es einmal, so zeichnen sie es in ihren Denkbüchcrn auf und erwarten wundervolle Bege-
Hermann, Mlirchenkranz. II. Auflage. 18

