men und eine Verlorne Sache zu suchen, als sie wahrnahm, daß durch eine Ritze der Mauer ein Lichtstral in das Gebäude falle. Es kam ihr der Gedanke hindurch zu sehen, und sie bemerkte, daß ein locker gewordener Stein sich wegschieben ließ. Sie sah durch diese Öffnung gerade in die Laube. Elfriede saß darinnen auf

einem Bänkchen, neben ihr die wohlbekannte Zerine, und beide Kinder spielten und ergötzten sich in holdseliger Eintracht. Die Elfe umarmte das Kind und sagte traurig:Ach, du liebes We­sen! so wie mit dir, hab' ich schon mit deiner Mutter gespielt, als sie klein war und uns besuchte; aber ihr Menschen wachset zu bald auf und werdet so groß und vernünftig; das ist recht betrübt! Bliebst du doch so lange ein Kind wie ich!"Gern thät' ich dir den Gefallen," sagte Elfriede,aber sie meinen ja alle, ich würde bald zu Verstände kommen und gar nicht mehr spielen; denn ich hätte rechte Anlagen, altklug zu werden. Ach, und dann seh ich dich auch nicht wieder, du liebes Zerinchen! Ja, es geht mit den Menschen wie mit den Baumblüten; wie herr­lich der blühende Apfelbaum mit seinen röthlichen, aufgequollnen Knospen dasteht! Der Baum thut so groß und breit, und jeder­mann, der darunter hingeht, meint, es müsse was recht Beson­dres aus den Blüten werden; dann kommt die Sonne, die Blüte geht auf, und da steckt schon der Keim darunter, der nachher den bunten Putz verdrängt und im Herbst zur Frucht wird. Wol ist der Apfel auch lieb und erfreulich, aber doch nichts gegen die Blüten im Frühling. So geht es mit uns Menschen auch; ich kann mich nicht darauf freuen, ein großes Mädchen zu werden. Ach, könnt' ich euch doch nur einmal besuchen!"

So lange der König bei uns wohnt," sagte Zerine,ist es ganz unmöglich; aber ich komme ja so oft zu dir, und niemand sieht mich, niemand weiß es, weder hier noch dort; ungesehn geh ich, durch die Luft oder fliege als Vogel hinüber. O, wir wollen