Hinblcichend, wie die Blume des Gartens. O Gott! was ist das Leben? Nichtig, hinfällig, unvollkommen, vergänglich, dahinfliegend, wie jener Wolke Schatten!

Wahrlich! düster und trostlos müßte der bloße Bcrnunft- mensch mit endlichem, kurzsichtigem Auge schauen in die Nacht des-menschlichen Verhängniffes. Ganz anders aber stellt sich Alles uns dar, wenn wir es betrachten im Lichte verhimm­lischen Offenbarung, im Lichte des Evangeliums Jesu, aus welchem Balsam strömt für alle Wunden, und Labsal für alle Schmerzen, und Trost selbst in der Fülle des Jammers.

Ja gerade wo der Tod seine Flügel über die Erde ver­breitet, erwacht in dem wahren Christen lebendig und klar der Gedanke an ein anderes besseres Leben, an Unsterblichkeit und Wiedersehen; wo diese irdische Welt begraben liegt, erinnert er sich der Welt jenseits. Gerade an den Grüften der theuren Entschlafenen knüpfet sich fester das Band der Liebe, das uns für immer mit ihnen vereint!

Waren doch von jeher die reinsten und zartesten Gemüther, die besten und edelsten Geschöpfe dem Himmel am nächsten verwandt!

Darum rufe ich Euch zu, theure Leidtragende! mit den Trostworten des Erlösers: »Weinet nicht; dasMäd- chen ist nicht todt, es schläft nur." Zu gut für diese Erdenwelt und frühe zum Engel gereift, winkte der avgütige Gott ihm, seinem Kinde. In den Morgenstunden des Lebens führte Er es ein in das ewige Heimathland, unberührt von des Mittags leidenschaftlicher Hitze, und weit noch entfernt von dem bittern, giftigen Frost des Abends. Entheben wollte Er die zarte Himmelsblüthe allen Wechselfällen, den vielen Stür­men und Gefahren, allen Nebeln, Sorgen und Kümmer­nissen dieser buntbewegten irdischen Pilgerfahrt. Dort in den Gefilden der Seligen sollte die edle Geistes- und Herzensbildung der Verklärten erst ihre Vollendung finden und Vollkommenheit; dort erst sollten ihre reichen vielversprechen­den Anlagen und Talente, sollte jeder Keim des Guten, den