70

Forstbotanik.

Krankheiten treten selten in größerer Ausdehnung bei ihr auf. Nur in der frühen Jugend hat sie durch schnell und öfter erfolgenden Temperaturwechsel zu leiden, indem dadurch ein frühzeitiges Ab­werfen der Nadeln bedingt wird; diese Krankheit heißt die Schütte. Schneedruck schadet ihr namentlich in milderem Klima öfter und viel.

Als Unterart (von einigen Autoren als eigene Art charakterifirt) kommt die Legforche, Krummholzkiefer vor. Das beste Unter­scheidungsmerkmal ist der strauchartige Wuchs und ihre vollere Be- nadlung, sie behält nämlich die Nadeln ein Jahr länger; die Zapfen geben keinen sicheren Anhaltspunkt. Sie tritt auf Torsgründen oder sehr hohen Lagen im Gebirge in größerer Ausdehnung aus und ninlmt die Region zwischen der Baumgrenze nnd der Schnee­grenze fast ganz ein. Aus Südhängen findet man sie bis zu 7000' Höhe in den Alpen, sie geht aber oft weit herab in die eigentliche Waldregion. Gegen die Bildung von Lawinen schützt sie vortrefflich und ist dazu besonders geeignet, weil sie sich noch an sehr steilen Hängen halten kann, wo kein hohes Holz mehr gedeiht. Sie ist selten Gegenstand der Forstbenutzung, doch kann man unter ihrem Schutz empfindlichere Holzarten anziehen.

Das Holz der Kiefer ist zu technischen Zwecken sehr gesucht, wenn es die bezeichnete rothe Farbe hat. Auch ohne diese Eigen­schaft geht es inwler noch dem Fichten- und Tannenholz zu Wasser­bauten, Eisenbahnschwellen u. dgl. vor. Als Brennholz ist es eben­falls sehr gut, namentlich um eine rasche Hitze zu erzeugen. Neben­produkte sind der Kien, Theer und in neuster Zeit die Waldwolle, ein aus den Nadeln bereitetes Surrogat für Roßhaare rc. zum Polstern der Betten u. dgl. benützt.

Ihre Feinde sind der Kiefernspinner, die Nonne, die Kiefern- eule, der Kiefernmarkkäfer, die Blattwespe; in jüngeren Jahren schaden ihr die Maikäferlarven, die Werre, der kleine und große Rüsselkäfer.

8. 46.

Die österreichische Schwarzkiefer.

Von der gemeinen Kiefer unterscheidet sich die Schwarzkiefer durch ihre längeren dunkelgrün gefärbten Nadeln, während jene graugrüne Nadeln hat. Die Zapfen und das Samenkorn sind bei der Schwarzkiefer größer. Die Nadeln der Schwarzkiefer haben ebenfalls je zu zweien eine viel längere Scheide als die der gemeinen Föhre; der Wuchs ist bei jener gedrungener und derber.

In forstlicher Beziehung dagegen unterscheidet sie sich von der gemeinen Kiefer nur in einigen Punkten: Zunächst hat sie einen