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auf, selbst eine Blume des Frühlings. Sie hatte seit den letzten Jahren eine innige Freundschaft mit Elise Waldau geknüpft, was Frau von Reichenbach nicht gern sah, denn sie war immer noch eine gar stolze Frau und Elise war arm. Der Vater der Letzter» war früh gestorben; Lucie, ihre jetzt dreizehnjährige Schwester wurde bei ihrer Tante, der Frau eines Landpredigeps, erzogen^ so daß Elisen selbst noch die Sorge für ihre jüngste Schwester, Meta und die Pflege ihrer stets kränkelnden Mutter überlassen blieb. Sie gab den vornehmern Töchtern im Städtchen Unterricht im Clavier- spiel, in der französischen und englischen Sprache, um ihren Unterhalt dadurch zu erwerben.

Frau von Reichenbach war sehr erfreut darüber, daß endlich der Augenblick nahe kam, das ihr unangenehme Ver- hältniß der beiden Mädchen abzubrechen. Vor einigen Tagen nämlich hatte sie die Nachricht erhalten, daß der ältere Bruder ihres Vaters, der in der Hauptstadt gelebt hatte, gestorben sei. Die beiden Brsider hatten nie einen freund­schaftlichen Umgang mit einatsher gehabt, da der Onkel ein stilles, zurückgezogenes Leben führte und alle Vergnügungen haßte; Marien liebte er daher gar nicht, und da er erfahren, daß Helene eine Tochter hinterlassen, so hatte er Rosa zur alleinigen Erbin seines sehr bedeutenden Vermögens einge­setzt. Frau von Reichenbach beschloß hieraus sogleich das Städtchen zu verlassen und das prächtige Haus des Onkels in der Hauptstadt zu beziehen. Rosa war keineswegs erfreut darüber; denn sie mußte ja nun Alles, was sie liebte, die