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mehrere Male zu entfliehen, aber da die Bande nach einer mir ganz fremden Gegend zog und mich immer streng bewachte, so gelang es mir nicht. Ich mußte mich also in mein bitteres Schicksal fügen und, da die Zigeuner eine reisende Seiltänzertruppe waren, ihre Kunst erlernen. Es wurde mir nicht schwer und bald übertraf ich Alle an Geschicklichkeit. Und das war ein Glück für mich, denn nun liebten, ja verehrten mich sogar Alle, und ich würde mich auch mit meinem Geschicke ausgesöhnt haben, wenn mich nicht ein neues Unglück bedroht hätte. Lorenzo, der Anführer der Zigeuner, offenbarte mir eines Tages, ich müßte sein Weib werden, ich möchte nun wollen oder nicht. Da faßte ich den festen Entschluß, bei der nächsten Gelegenheit zu entfliehen, was mir jetzt leichter war als früher, da man mich nicht mehr so streng bewachte.
Es war am Tage vor meinem sechszehnten Geburtstage; wir hielten uns gerade in der Nähe des Schlosses des Grafen 'Visconti auf, als dieser zu uns schickte und uns sagen ließ, wir möchten am nächsten Tage, dem Geburtstage seines Sohnes, vor der versammelten Gesellschaft unsere Künste zeigen. Lorenzo ließ sogleich das Gerüst auf einer freien Wiese vor dem gräflichen Garten aufschlagen, und mit Ungeduld erwartete ich den folgenden Tag; denn eine geheime Ahnung meines Herzens sagte mir, daß fich bald mein Geschick ändern werde. Endlich war er gekommen; die ganze vornehme Gesellschaft war im Garten versammelt und ich bestieg in meinem schönsten Anzuge das schräg auf-

