i§3
Der otaheitische Baum, von welchem bisher die Rede gewesen ist, hat gar keine Kerne mehr, sondern muß durch bloße Sprößlmge fortgepstanzt werden. DaS Kernhaus zwar, m welchem die Kerne enthalten seyn sollten, ist noch vorhanden, aber eS «st inlvendig leer und ohne Samen. Man verinuthet, daß eben dieser Mangel an Samen eine Folge der Kultur ist, indem dieser Baum das SaMenerzevgende Vermögen gerade dadurch verloren hätte, weil man es von jeher bequemer gefunden, denselben durch Sprößlmge aus der Wurzel fort- ztipflanzen, die dann auch schon im vierten Jahre zu tragen anfangs«.^)
Man findet indessen da und dort noch mehrere Arten , welche Samen bringen, na«nentl«ch auf den S u n- dainseln, den Molukken, auf Timor, auf den Diebs inseln u. s. w. Der Same der einen Art ist so groß wie eine Kastanie, und eine andere Art brrngt' Samenkerne von der Große einer römischen Bohne (große Saubohne) Auf Timor findet man Brotfrucht- ' bäume, sowohl mit als ohne Kerne. Die Malaien nennen diese Bäume S o kk u m. Diejenige Art, welche keinen Samen bringt, wird hier eben so groß, w«e die auf Otaheiti, steht aber derselben an Güte und Schmackhaftigkeit weit nach, und wird mit M«lch und Zucker genossen. Vielleicht — wir sagen vielleicht — ist dieselbe noch nährender als die otaheitische Frucht ; wer nigstens ist es merkwürdig genug, daß sie bei gleicher Größe um die Hälfte mehr am Gewicht halt.
Auf den Molukken und selbst auf Isle de France bringt die wilde Art, welche Samen trägt, nicht mehr als dreisslg bis vierzig kleme Früchte, dahin-
*) Daß durch die Knltur das Vermögen Äamea z» tragen schwinden könne, davon haben wir etwas Aehn^ Uches an unfern Kalvillen, die immer nur aut künstliche Weise fortgeflanzt sind, und in deren Früchten man selten einmal alle Samenkerne volliädlig und hinlänglich ansgebildct findet, und mehr noch an unfern gefüllten Blumen (Rosen, Nelken) Aehnlich- keilen, bei welchen die Samengefaffe in Blumenblätter, wie bei dem Brotfruchtbaum in Fleisch übergegangen find.
köhr's Mcrkwürd. 9?

