196 Wie denkt der Christ über die Leiden

wahrhaft glücklich seyn kann. Die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden. Es ist deiner Bosheit Schuld, daß du so gestäupet wirst und deines Ungehorsams daß du so gestrafet wirst *). Wohl sind diese natürlichen Folgen der Sünde nicht immer in Uebereinstimmung mit der Größe der Sündenschuld; ein Fehltritt aus Un­vorsichtigkeit hat oft auf viele Jahre mehr Trübsal und Herzeleid im Gefolge, als eine vorsetzliche Gräuelthat. Auch weiß ein Uebelthater vor dem andern sich mehr gegen die Folgen seiner Verge­hungen zu schützen, oder zu verhärten. Allein damit sind wir dem gewaltigen Arm des ARnäch- tigen keineswegs entrückt. Er weiß die Missethat und das Böse durch ihre eignen Diener zu züch­tigen; der rohe Gewalthaber wird ein Werkzeug in seiner Hand, um die Sünde zu bestrafen und also seinen Rath gegen die Bösen auszuführen. Es war kein blinder Zufall, keine unabänderliche Nothwendigkeit, daß jener Pfeil, von der Hand des Syrers, ohne bestimmtes Ziel abgeschossen, Achab traf, sondern sichtbare Fügung höherer Lei­tung; denn ihm war geweissagt, daß er nicht in Friede würde wiederkehren. Es war nicht allein menschliche Willkühr und Gewalt, daß die Assyrer

') 2oh. 48, 22j JerkM. 2, 19.