210 Wie denkt der Christ über die Leiden

forschliche, Unbegreifliche kündigt sich der Herr uns selber an in seinem Wort und er wäre es nicht, wenn wir alles mit unserm kurzsichtigen Menschenverstand bemessen und erklären könnten. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und ^ure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Sondern, so viel der Himmel höher ist als die Erde, so viel sind auch meine Wege höher denn eure Wege und meine Gedanken höher denn eure Gedanken*). Der Apostel Paulus, nachdem er seine Auseinandersetzung der göttlichen Verwerfung Israels und der Annahme der Heiden geschlossen, ruft aus: D Tiefe des Reichthums, beide des Reichthums und der Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und uner- forschlich seine Wege. Wer hat des Herrn Sinn erkannt? oder wer ist sein Rathgeber gewesen**) ? Ja, grade das Gefühl unsres stückweisen Erken- nens muß uns hier bescheiden lehren'und unsre aberwitzige Vernunft zurückweisen unter die Ge­fangenschaft des Glaubens.

Aber sollten darum die Wege Gottes weniger untadelhaft, weise, heilig und gut seyn? Nein, der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und heilig in allen seinen Werken *#*). Und wann

*) Jes. 55, 8. 9. **) Rom. 11, 33. 34. ***) Ps.

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