10S
Auch dauerte es nicht lange, fo wurde er nach Gießen vorbeschieden, und ihm vor versammeltem Con- sistorium eröffnet: „Wie man ihm vor Jahren den Schuldienst zum Veitsberg anvertraut aus besonderer Gnade und in Rücksicht auf höhere Fürsprache, obgleich ihm schon damals kein sonderlicher Ruf vorangegangen sey. Wie man sich aber nunmehro in dem auf ihn gesetzten Vertrauen sehr getäuscht habe,, weil ihm für's Erste Schuld gegeben werde, er habe Umgang mit einem der Zauberei verdächtigen Manne in der Stadt Grünberg. Für's Zweite, so treibe er Allotria, sehe nach den Sternen und schreibe Kalender, was Alleg für einen Schulmeister nutzlose, ja gefährliche Beschäftigungen seyen. Zum Dritten, so tractire er in seiner Schule Dinge, die gar nicht hinein gehörten, lehre die Rechenkunst in Versen und pfropfe in die Köpfe der Schuljugend allerlei, davon sie nie Gebrauch machen könne, dadurch nur die edle Zeit verdorben und dag Wort Gottes nicht gehörig getrieben werden könne. Zum Vierten, so habe man von einem zuverlässigen Manne gehört, wie er, Justus, allerlei verlaufenes Gesindel in seinem Hause beherberge, ohiw nach Herkunft und Namen zu fragen, auch schon seit etlichen Jahren ein fremdes Kind in seinem Hause erziehe, das ihm bei Nacht und Nebel gebracht worden sey, obgleich er selbst wisse, wie wenig es sich für euren christlichen Schulmeister schicke, solche Findlinge aufzunehmen." Ueber diese vier Punkte solle er sich nun protocollariter erklären und der Wahrheit die Ehre geben.
„Das habe ich denn auch gethan, erzählt er selbst, in aller Demuth, wie es mir geziemte, weil ich wohl sah, daß meine Herrn Vorgesetzten waren irre geleitet

