«O eyersdorf, im Budissiner Kreisdirectionsbezirke, ist zwar als zum Stolpner Amtsbezirke gehörig, Meißnisch, doch fast ringsum von der Lausitz umgeben. Es ist £ Stunden von Neu­salza, 2 St. von Löbau und 3^ St. von Bauzen gelegen. Seine Richtung. ist von Abend gegen Morgen. Auf der Abend­seite berührt es sich mit Oppach; und gegen Morgen mit Neu-Lauba. Außer dem Gros des Dorfes, dem Ober­und Niederdorfe, besteht es aus einigen abgesondert liegen­den Theilen. Von diesen liegt das sogenannte Gebirge, eine Gruppe von ungefähr 40 Häusern, in der Richtung nach Ober-Oppach. Nach Schönbach hin liegen die soge­nannten Schmieden, 14 Häuser, auf dem Grunde des ehe­maligen Sattelhofes, welche ihren Namen daher haben, daß die ersten Ansiedler Mefferschmidte waren. Außerdem zieht sich, nördlich vom Dorfe auf den Anhbhen, eine langge­dehnte Reihe Häuser hin. Die meisten der hiesigen Häuser sind niedrig, von Holz und Lehm erbaut und mit Stroh gedeckt, ohne sonderliche Umgebung, ziemlich weit auseinan­der gerückt und ihr Anblick erinnert an die Bauten der schle­sischen Gebirge. Das Dorf hat jetzt 220 Häuser und 1270 Einwohner. Noch vor 100 Jahren war es, im Vergleich mit seinem gegenwärtigen Umfange, klein, denn ein bedeu­tender Theil seines jetzigen Areals war damals Wald oder Weide. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als die Schlenkersche Familie es besaß, und auch später, wurde viel Land von den 2 Rittergütern zu Baustellen ausgethan, namentlich im Oberdorfe und auf dem sogenannten Gebirge. Die auf den Höhen, nördlich des Dorfes, liegenden Häuser sind fast alle, so wie mehre andre des Dorfes, erst zur Zeit der jetzigen Herrschaft entstanden. Nahrungszweige des Dorfes sind Feldbau, Weberei, Leinwandhandel, mehre Handwerke, Bleichen und Mühlen. Im Allgemeinen ist der Ort nichts weniger als wohlhabend.

Die Lage ist schon etwas hoch und kalt. Den umge­benden Höhen fehlt meist der Schmuck des Waldes. Be­deutend ragt aus der Reihe der zwischen Cunewalde und Beyersdorf lausenden Höhen ein Berg empor, dessen Gipfel hierher gehört. Man nennt ihn in der Gegend den Beyers- dorfer Berg; öfter noch den Kaspar, welchen Namen er daher hat, daß sein Gipfel, so wie ein bedeutender Theil seiner Südseite, zu einem Gute gehört, welches im 18. Jahrhunderte einem Fuhrmanne Kaspar Heinrich gehörte. Der frühere Name des Berges soll bjely Bog gewesen sein. Daß in der vorchristlichen Zeit hier die Wenden einem guten, dem weißen Gotte (bjely Bog) geopfert haben sollen, wie auf dem hinter Cunewalde liegenden czörny Bog dem schwarzen Gotte (czomy Bog) das gehört in das Gebiet der Sage. Sein Haupt hat Felsen, welche unbedeutend herausragen, und viele einzelne über einander geschobne Steine. 1818 wurde beim Jubiläum der 50jährigen Regierung Friedrich August's, auf Veranstalten des Hr. von Weynhardt auf die Spitze des Berges ein Granitwürfel gesetzt, mit der In­schrift: Friedrich August, dem Gerechten, dem Va­ter seines Volks." Wie dieser Berg einer der höchsten der Lausitz ist, so muß er seiner schönen Aussicht wegen ei­ner der reizendsten Punkte dieser Provinz genannt werden. Von ihm herab erblickt man zu seinen Füßen in den nahen Thälern mehre Dörfer, in der Ferne ragen viele Thürme ländlicher Kirchen und der Städte hervor. Namentlich nach Osten und Süden ist der Anblick umfassend und erhaben; nach allen Seiten aber hat man ein imponirendes Gebirgs- bild. Mehre Bergkämme hinter einander in stufenweiser Er­höhung steigen hervor. Die Lausche, der Jerschken, ein Theil des Riesengebirges fallen am meisten in's Auge. Bei Hel­lem Himmel sieht man, mit Hilfe eines guten Glases, den Milischauer zwischen Teplitz und Prag.

Ueber die Entstehung des Dorfes läßt sich nichts sagen. In sehr frühen Zeiten war es schon ein deutsches Dorf, was in alten Nachrichten ausdrücklich erwähnet wird. Wenn es auch bei den Wenden den Namen Bekrezy hat, so mag der­selbe, da eine wendische Wurzel sich darin nicht entdecken

läßt, doch nur dem Namen Beyersdorf nachgebildet sein. Mit ganz unwesentlichen, seltenen Abweichungen fin­det sich der Name immer so, wie er noch jetzt geschrie­ben wird.

Seiner geographischen Lage nach ist mit ziemlicher Gewißheit anzunehmen, daß es, bevor es zum Gebiet des Bischofs v. Meißen kam, zur Lausitz gehörte. Als die Lau­sitz zum Sprengel der Bischöfe von Meißen gehörte, fan­den diese Gelegenheit, sich in der Lausitz Manches zum ei- genthümlichen Besitze zu erwerben, sei es, daß man cs ih­nen schenkte, z. B. Bischove (Bischdorf) sei es, daß sie es durch Verträge erhielten. Wenn und auf welche Weise Beyersoorf so von der Lausitz getrennt worden sei, das läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Moyko, der Besitzer Stolpens und einiger in der Lausitz gelegnen, noch jetzt in das Amt Stolpen gehörenden Orte, verkaufte Stol- pen 1219 an Bischof Bruno II. von Meißen. In Stolpen hat­ten später die Bischöfe für gewöhnlich ihren Sitz, Mochte nun Beyersdor f entweder schon jenem Moyko gehört ha­ben, oder mochte es bereits bischöflich gewesen sein, es mußte seiner Lage nach, wie andre in der Lausitz gelegne Besitzun­gen, nun mir Stolpen vereinigt werden.

Eine namhafte Erwähnung Beyersdorfs findet sich a. 1272. Damals war die Lausitz, mit Ausnahme des Zit­tauer Gebiets, welches bei Böhmen blieb, in den Händen der Markgrafen von Brandenburg. Zwei Söhne Mark­graf Albrechts, Johann und Otto, theilten die Oberlausitz in 2 Theile, in das Görlitzer und in das Bauzner Land. Die Grenze zwischen beiden bildete die Lubata (das Löbauer Wasser) voll der Quelle bis zum Einflüsse in die Spree, die sich im Kirchspiele Klix befindet. Von da ging die > Grenze hinab nach der Neiße bei Muskau u. s. w. Nach Johanns Tode besaßen dessen 3 Söhne das Bauzner Land gemeinschaftlich. Da entstand Streit zwischen Bischof W,i- tig I. und den Markgrafen von Brandenburg wegen etlicher Gerichte, deren sich die Markgräflichen Voigte im Lande Bu- dissin in des Meißnischen Stifts Gütern angemaßt hatten. Der Bischof verbot deswegen in einigen Orten den Gottes­dienst. Um die Sache auszugleichen, wurden von beiden Sei­ten Beauftragte zu einer Zusammenkunft nach Budissin ge­schickt und zwar von Seiten des Bischofs die Ritter Eck­hard von Milbuz und Siegfried von Bischofswerda; von Seiten der Markgrafen aber Peter von Kazau und Peter von Gurcko. Nach angestellten Erörterungen gaben diese ihr Urtheil dahin ab, daß die Markgräflichen kein Recht und Ge­richt auf des Bischofs vvn Meißen Gütern in der Budissi­ner Pflege hätten, ausgenommen in sechs Dörfern: Muß- zlatewitz, Tüptitz (d. i. Cubschütz), Krunenwalde, Beyers­dorf, Spremberg, Friedersdorf. Der Vertrag ist am Tage 8t. Agnetis zu Stande gekommen*).

Bereits im 15. Jahrhunderte war die Familie von Re­chenberg im Besitze des Gutes. Doch noch bis gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts wohnten die Rechenberge nicht hier, sondern hatten ihren Sitz in Oppach. Was sich von nun an über das Rittergut und dessen Besitzer sagen läßt, ist Folgendes. B eyersdorf, ein Neu-Schristsässiges Ritter­gut, war ehedem Mann-Lehn und ist jetzt Allodialgul. Be den Bischöfen zu Meißen ging es zu Lehn, bis es 1559 mit dem Stolpner Amtsbezirke churfürstlrch Sächs. geworden, den Churfürsten als Lehnsherrn erhielt. Anno 1489 am Tage Johannis Enthauptung belehnte Bischof Johann, mit Beyersdorf und Zubehör in Stolpen den Hans von Re­chenberg auf Oppach. Dieser Hans von Rechenberg wird in einem alten, im Archive zu Camenz befindlichen Lehn- brkefe von 1498 als Zeuge angeführt und Amtshauptmann zu Budissin genannt. 1513 überließ König Vladislaus Ja- gello, welcher von 1490 1516 regierte, Hans von Re-

*) Sch ö ttg ens Histor. der Bisch, v. Meiß. iVIst. Ger- kens Chronik v. Stolpen p. 464.

1 *