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Theologie studirte. Von seinem später» Leben ist nichts be­kannt.

Seine erste wissenschaftliche Bildung empfing Ioh. Chri­stoph Luther auf dem Gymnasium zu Görlitz. Er bezog den 22. April 1664 die Universität Leipzig, ging von da nach Wit­tenberg, wo er d. 18. März 1686 zum gekrönten Poeten gemacht wurde. Den 28. April desselben Jahres wurde er Magister und den 26. Octbr. kam er nach Görlitz zurück, wo er in das große Prediger-Collegium trat. 1689 den 16. August bekam er die Vocation als Pastor-Substitut nach Rennersdorf bei Herrnhut und wurde den 6. Sptbr. in Dresden ordinirt. Den 22. Nov. heirathete er Johanne, gcb. Manitius, die Tochter seines Seniors M. Theodor Ma- nitius. Er bewarb sich um das Pfarramt zu Beyersdorf, hielt den 19. April 1691 d. Quasimodogen. die Probepre- dkgt, erhielt den Ruf, reiste nach Dresden zur Confirmation und hielt d. 17. Mai d. Rogate hier seine Antrittspredigt. In der ersten Zeit seines Hierseins ging er oft an die Schle­sische Grenze und gab dort einen Buschprediger ab. In Schlesien nämlich, damals zu den Oesterreichischen Staaten gehörig, wurden in jener Zeit die Protestanten vielfach ver­folgt, man vertrieb ihre Prediger und die Gemeinen mußten ihren Gottesdienst im Verborgnen, oft in Wäldern halten.

Ein bleibendes Verdienst hat Luther sich um die hiesige Parochie durch sorgfältigere Führung des Kirchenbuchs, als sie vor ihm war, erworben. Er war nicht nur der Mann, der in seinem Amte etwas Tüchtigeres zu leisten fähig war, sondern auch ein Mann heirern, geselligen Temperaments, aber auch von oft derbem Witz. Die Herrschaften und die Gemeine schienen sich anfangs auf ihren Luther Etwas ein- zubildcn. Wirklich mochte in ihm Etwas vom Wesen seines großen Ahnen sein. Darin aber war er jenem sehr unähn­lich, daß es ihm an ächtsittlichem Ernste fehlte. Er mag in seinem Benehmen sehr laut, ein Freund des Spiels und ein Zecher gewesen sein. Man sagt, er habe sich so weit vergessen, sich mit diesen Dingen im hiesigen Kretscham die Zeit zu vertreiben. Doch dieß weniger als andere Dinge^ welche nicht mehr bekannt sind, weil es blos heißt:er habe gewisser Ursachen halber auf der Vestung Stolpen ge­fangen gesessen," mochte Anlaß geben, ihm die gerechte Ahndung des Obec-Consistoriums zuzuziehen. Als er nach Hause gekommen war, wurde ihm im November 1696 vor­läufig die Suspension vom Amte angedeutet. Er hatte an­gesehene Gönner undes würde ihm," heißt es,vielleicht nicht unmöglich gewesen sein, sich zu behaupten. Als er aber," sagt das Kirchenbuch,gesehen, daß es schwer zu­gehen und viel kosten sollte, hat er im Jahre 1697 am Feste Epiphanias in der Kirche valediciret und durch einen Brief an den Superintendent sein Amt selbst aufgegeben." Vor seiner Abreise veranstaltete er eine fröhliche Hausmusik. Noch in demselben Jahre wurde er bei dem Könige von Po­len und Churfürsten von Sachsen, Friedrich August, Feld­prediger und später Consistorial-Feld-Stabsprediger (Ge­neral -Feldprobst). Als solcher reiste er in Polen und Un­garn umher, verkündigte das Wort, und ordinirte andere Pre­diger in Felde, 1706 wurde er nach Tyrnau in Nieder-Un­garn als evangelischer lutherischer Ober-Prediger der deut­schen Gemeine daselbst berufen. Bei den damaligen Kriegs­unruhen aber wurde er 1709 vertrieben und kam in seine Vaterstadt Görlitz zurück. Er bekam 1712 das Pastorat zu Liffa bei Görlitz. Von nun an hatte sein Leben einen ruhi­geren Gang; er starb daselbst den 7. Octbr. 1737 als Greis von 73 Jahren *). Er hat viele Predigten in Druck gege­ben, wovon eine den Titel führt:Was Neues aber was Guts," gehalten 1726 in Görlitz zu St. Peter und Paul. Ferner: Cippi Gorlicenses. erstes Stück Görlitz 1729. 8. zweites Stück Bautzen 1736. 8. Herr P. Berger, gegenwärtig Pastor zu Lissa sagt: Mein Vater sprach sehr gern von diesem Vorfahr und nannte ihn einen origi­nellen, jovialen Mann, da unter seinen ersten Kirchkindern noch mehre waren, die ihn gekannt und Vieles von ihm er­zählt hatten. Unter den Anecdotcn, die von ihm erzählt werden ** **) ), habe ich folgende im Gedächtniß aufbewahrt. M. Luther war mir den Rathshcrrn zu Görlitz sehr bekannt und mit den meisten Herr Bruder. Er soll mit ihnen, so

*) Sein Leichenstein, dessen Schrift gänzlich verwischt war

und dem man also keine Nachrichten mehr abgewinnen konnte, ist 1836 beim Baue eines neuen Pfarrhauses in Liffa als Tritt vor die Hausthür verwendet worden.

**) Auch Referent hat dergleichen gehört, übergeht sie aber.

wie sie mit ihm, zuweilen Scherz getrieben haben. Einst kam er auf das Rathhaus, als eben Rathssession war.. Man fragte ihn, was er wolle? Er komme, war seine Ant­wort, um zu erfahren, was die Figur mit der Waage auf der Treppe des Rathhauses bedeute?. Man scheint sich zu wundern, daß er das nicht wisse und sagt, sie bedeute die Gerechtigkeit. Ei, ei, meine Herrn, antwortete Luther, diese sollte hier und nicht vor der Thüre sein! Einst hatte er an einem Ostersonnabende mit den Herrschaften von Lissa und Serka u. s. w. auf dem herrschaftlichen Hose zu Liffa beim Kartenspiel seine Baarschafc verloren. Als diese Herren bemerkten, daß er darüber bestürzt war, versprachen sie, ihm beim Osteropfer den Verlust reichlich zu ersetzen, wenn er auf der Kanzel das Wort:Trumpf" ausspräche. Die Herren gehen sämmtlich in die Kirche und M. Luther beginnt, auf die herrschaftliche Loge deutend, seine kräftige Osterpredigt mit den Worten: Trumpf aus! Trumpf aus! und abermal Trumpf aus! spricht die gottlose Welt, aber wir erlösete Christen rufen heute an dem hohen Sieges- Feste: Triumph Victoria! Christus ist auferstanden von den Tobten!"

16) Johann Tobias Spindler, 16971699, ein Thüringer. Sein Vater, M. Tobias Spindler, war Pfarr- rer in Altengoldorf im Thüringischen. Den 2. Mai 1697 d. Cantate hielt er seine Anzugspredigt. Das Kirchenbuch enthält über ihn folgende naive Bemerkung:zu welcher Zeit die ganze Gemeinde hocherfreuet gewesen, in Meinung, nun hätten sie wiederum einen rechten Pfarrer, da doch der Ausgang zu männiglich höchster Bestürzung gewesen, daß sie noch fast mit keinem mehr, als mit ihm berrogen gewe­sen." Man kann sich allerdings des Unwillens über die­sen Mann nicht erwehren, denn er scheint von der Würde eines Dieners des Wortes Gottes weit entfernt gewesen zu sein. Zum Glück war er nur kurze Zeit hier. Von seinem unüberlegten Benehmen giebt Folgendes einen sprechenden Beweis: d. 5. Juli 1697 hat sich M. Spindler mit Jgfr. Anna Dorothea Leuterdingen (der Tochter des Herrn An­dreas Leuterding, vornehmen Patriziers und Bürgers in Bauzen) in hiesiger Kirche bei verschloßner Thür von Herrn Zacharias Stemel, Pfarrherrn zu Spremberg trauen lassen, welcher zuvor von diesem Vorhaben nichts gewußt, biß er anhero kommen, sondern nur der Communion wegen anhero gefordert zu sein vermeinte, auch nichc anders meinen kunte; biß es ihm M. Spindler, da sie sollen in die Kirche gehn, vorgetragen hat. Doch hat er sich durch schmeichlerische und unter dem Schein der Wahrheit fürgebrachte Lügenreden noch bewegen lassen. Wiewohl er auch nachmals Ursache genug bekommen, zu wünschen, daß es nachgeblieben." Da; Verhälrniß zu dem Schulmeister Tschürch artete in pöbelhafte Zänkerei aus. Spindlers Nachlässigkeit in der Amtsführung sieht man noch dem Kirchenbuche und dem Consitenren-Re­gister an. Bestimmte Thatsachen, als Ursachen seiner Ab­setzung sind nicht angegeben. Schon zu Anfang 1698 wurde er svspendirt und in der Fastenzeit 1699 abgesetzt. Er hätte zwar," heißt es,seinen Angelegenheiten, so schlimm sie auch waren, noch eine beßre Wendung geben können, aber er selbst habe, vielleicht von Gottes gerechtem Gericht mit Blindheit geschlagen, seinen Untergang beschleunigt." Dietmann berichtet noch:Nachdem er nun seines Amtes gänzlich entsetzet und eine geraume Zeit hcrumgegangen war, hat er endlich durch die Fügung der unergründlichen Fürse- hung sein Glück in fremder Luft begründet, daß er nach Pommern in's Amt gerufen worden, von da er nach eini­ger Zeit an einen gewissen Ort bei Weimar gekommen.

17) Elias Schüler aus Bolkenhayn im Fürstenthum Jauer. 16991704. Er hielt nach Spindlers Absetzung am 2. Osterfeiertag hier eine Predigt. Die Gemeinde wünschte ihn zum Pfarrer und die Herrschaften wählten ihn. Am 2. Sonntag nach Trinit. hielt er die Probepredigt, sodann erhielt er die Vocation, erhielt die Ordination in Dresden und hielt am 4. n. Trinit. seine Antrittspredigt. Er wurde den 26. September mit Jgfr. Anna Helena, der Tochter des Rector >1. Martin Seidemann zu Lauban in hiesiger Kirche getraut. Es wurde ihm den 5. Fcbr. 1704 eine Tochter geboren. In demselben Jahre folgte er einem Rufe als P. nach Radmeriz, kam nicht lange nachher nach Mar­kersdorf bei Görlitz, wo er bis an seinen Tod blieb.

18) !V1.JohannGcorgHerrmann, 17041709, wurde nach Schülers Weggange vom Herrn v. Grünroth zur Zu­friedenheit der ganzen Gemeinde berufen. Er verehelichte sich in demselben Jahre mit Jgfr. Ioh. Sophie Möller, ei­ner Tochter des Sachs. Kriegsgerichts - Secretairs Isaak

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