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aus den Nachrichten über unsre Kirche schließen läßt. — i Im dreißigjährigen Kriege waren die Jahre 1620, 1632, ; 1637 vorzüglich unheilvoll. — Der siebenjährige Krieg brachte bisweilen starke Einquartirungen, Lieferungen, Plünderungen. Ein Bauer Noack im Oberdorfe wurde von Soldaten so gemißhandelt, daß er davon starb. Namentlich 1738 sah es hier übel aus. Der kaiserl. Feldmarschall Daun, welcher dem Könige von Preußen den Weg nach Schlesien verschließen wollte, kam von Stolpen herauf über Neukirch und Wilthen mit einer, man sagt 100,000 Mann starken, Armee und breitete sich auf den Höhen von Kittlitz aus. Der König von Preußen nahm sein Lager bei Hochkirch, bei welchem Orte am 14. Octbr. die denkwürdige Schlacht vorsiel. Wohin sich der Kriegsschauplatz wendet, dahin gehen gewöhnlich auch ansteckende Krankheiten. In jenem 2ahre starben in dem damals nur noch kleinen Beyersdorf 48 Personen. — Auch im bairischen Erbfolge-Kriege kam es nicht ganz unangetastet weg. Die Oestreicher hatten nahe an der sächsischen Grenze bei Neu-Oppach ihr Lager, von wo aus sie hier Besuche machten, die nicht zu den willkommensten gehören-
Das große Kriegsjahr 1813 brachte Kkieger verschiedner Nationen hierher. Wenn auch das, was das Dorf litt, nicht unbedeutend war, so war es doch wenig im Ver- hältniß zu dem, was die näher an Bauzen gelegenen Dörfer traf. 1814—1815 hatte man starke Durchmärsche.
Weit verderblicher als der Krieg waren einige kostspielige Processe, z. B. der zwischen dem Dominium und denen, die die Felder desselben nach dem Jahre 1806 in Pacht gehabt hatten; sowie derjenige Proceß, der von den Bauern einer- und von den Gärtnern und Häuslern andrer Seits mit großer Erbitterung geführt wurde.
Die Auswanderungslust, die vor einigen Jahren in der Gegend Mehre nach Westen zog, nahm hier eine entgegengesetzte Richtung, indem mehre Familien nach Polen wanderten.
Verschiedenes, was in den Kirchenbüchern unter dem Namen der „Acta" steht, in wörtlicher Abschrift, soweit dieß thunlich war.
Theurung Die Ueberschrift des Jahres 1685 lautet im Kirchenbuche: „1685, als unser durchlauchtiges Chur- Sachsen-Haupt aus Italien glücklich nach Hause gelangete, in unsrer hiesigen schweren, theuren Hungerszeit."
1760. Durch den höchftschädlichen Krieg ist eine ziemliche Theurung entstanden, so daß das Meiste um theurer als zu andern Zeiten verkauft wurde. Der Scheffel Korn galt zu Weihnachten 4 Thlr. 12 Gr.; Gerste 4 Thlr.; Hafer 2Thlr. 12 Gr. Eine Kanne Butter 12 — 16Gr.; 1 Pfd. Rindfleisch 3 Gr.; 1 Cntr. Heu 1 Thlr. 12 Gr. bis 2 Thlr. Doch ist, dem Höchsten sei Dank, der Leinwandhandel sehr stark gegangen, so daß 1 Stück Zell. Garn 18—19 Gr. gegolten, daher es an Gelbe nicht gefehlet.
1761. In unsrem Lande ist die Theurung um ein Merkliches gestiegen. 1 Schfl. Korn 7—7z Thlr.; Hafer 3 bis 3zThlr.; Gerste 5-6Thlr.; 1 Pfd. Rindfleisch 3-3zGr.; 1 Kanne Butter 16—20 Gr.; 1 Kanne Brandtwein 6 Gr. Die Ursachen sind: der höchstverderbliche Krieg und der daher entstehende geringe Gehalt des Geldes, da der Ducaten über 6 Thlr. der Louisd'or über 9 Thlr. gestiegen. Aber das Garn ist im Preise bis 23 Gr. gestiegen.
1770. Dieß Jahr ist besonders ein merklicher Mis- wachs in Ansehung des Wintergelreides gewesen, so daß Viele kaum den Saamen wieder ausgedroschen haben und die Noth der Armen sehr zugenommen, weil der Schfl. Korn über 4 Thlr. gegolten, das Garn 7z Gr.
1771. In diesem Jahre haben wir einen sehr harten Winter gehabt, und um Ostern ist ein großer Schnee gefallen, der an manchen Orten zu 2 Ellen hoch gelegen und erst nach Ostern meistens durch die Sonne geschmolzen. Auch ist bei den Armen große Noth gewesen, weil 1 Schfl. Korn um Pfingsten schon beinahe 6 Thlr. gegolten, welche immer mehr zugenommen, daß nach Johannis 1 Schfl. 9 Thlr. 12 Gr. gegolten. Handel und Wandel lag und das Stück Garn galt 6 Gr. 3 Pf., ja noch weniger. *)
*) In einer andern Quelle steht über unsre Gegend: „In vielen Hausern waren Leute vor Hunger krank und Kinder, denen die Aeltern nichts geben konnten. Alle eßbaren Krauter wurden zusammengesucht und gegessen, wenn sie auch noch so bitter schmeckten, alle Kleyen und Quecken wurden zur Speise genommen und aufgezehrt, und reichten doch nicht zu."
1803. In diesem Jahre ist die Kornerndte sehr gen'ng gewesen, wegen des häufigen Regens in der Vlüthezeit. 1804: auch in diesem Jahre war die Erndte sehr, sparsam, und das Korn wurde theuer. Auch gerieth das Obst sehr schlecht. 1805: In diesem Jahre ist die Theuerung aller Lebensbedürfnisse zu einer erstaunlichen Höhe gestiegen und große Hungersnoth entstanden. 1 Schfl. Korn galt um Johannis 15—16 Thlr. auch bis 19 Thlr. Gerste 13 Thlr. Hafer 8 Thlr. 1 Schfl. Kartoffeln 5 Thlr.
Fruchtbarkeit. 1749: Dieses Jahr ist sehr fruchtbar an Obst und Getreide gewesen, welches auch beides sehr wohlfeil. — 1754: Dieses Jahr ist der Gestalt an Obste gesegnet gewesen, daß vom besten Obst das Viertel von 4—8 Gr. das geringere 2—3 Gr. gegolten.
Schloßen. 1745 am 2. Bußtage zerstörte ein furchtbares Schloßenwetter fast alle Feldfrüchte. (Auch 1830 machten die Schloßen hier großen Schaden.)
Ermordet. 1650 d. 27. Juni ist Christoph Heinrich, der Ober-Förster des von Rechenberg auf dem Liebischen Wege bei dem Leimhübel von Jacob Musch mit einer Axt geschlagen worden, daß er den 28. darüber sterben müssen.
1781 den 20. Novbr. in den Nachmittagsstunden ist Matthäus Herbrich's, Einwohners und Schmidts im Oberdorfe Ehefrau Dorothea, auf Mittel-Cunewalbischen Grund und Boden in eines Bauers Busche auf die entsetzlichste Weise ermordet und nach geschehener Section Sonntags darauf in Cune- walde beerdigt worden. Sie war 75 Jahre 8 Mon. 24 Tage alt.
Selbstmorde. 1679 den 19. Dcbr. Freitags nach dem Unschuldigen-Kinder-Tage zur Nacht hat sich der Bösewicht Georg Heine, im 31. Jahre seines Alters stillschweigend in Grosche- Christels Teiche zu Spremberg ersäufet und ist erst am heil. 3 Königstage frühe gefunden worden.
1757 den 5. Octbr. hat Ernst Gottlieb Schöpß, welcher sich in die zehn Jahre auf hiesigem herrschaftlichen Hofe aufgehalten, sein Leben durch einen Flintenschuß beschlossen. Sein Körper ist auf hohes Anverordncn in der Stille auf den Kirchhof beerdigt worden. Alter 52 I.
1783 den 20. Octbr. wurde der herrschaftliche Schäfer, Christian Wendler, eines hiesigen Gärtners gleiches Namens ältester Sohn, an seiner Peitsche hängend auf dem Oberhofe früh Morgens erstickt gefunden und das Cadaver nach Dresden an die Anatomie abgeholet worden. Ein sonst christlicher und stiller Mensch.
Verunglückt. 1724 d. 14.April ist Caspar Hayne, Gärtner im Oberdorfe nach großen erlittenen Schmerzen, als er den 12. zur Nacht im Brauhause in siedendes Wasser gefallen, selig verschieden.
1797 den 24. Juli Nachts 10 Uhr verschied nach unzähligen ausgestandenen Schmerzen, Christian Höhne, Gärtner im Nieder-Dorfe, nachdem er Vormittags in der 8. Stunde in das siedende Wasser der Braupfanne gestürzt; seines Alters 44 Jahre 3 Mon. 11 Tage. Das Gedächtniß des Gerechten bleibet in Segen!
1729 den 11. August, Abends gegen 7 Uhr hat Gott durch einen erschrecklichen Donnerschlag, Zacharias Höhnes, Häuslers und Webers im Oberdorfe ältestes Töchterchen, Anna Rosine, 7 Jahre alt weniger 14 Wochen, und Johann Schol- zes, Försters zu Rachlau älteste Tochter, 15 Jahre weniger 2 Monate alt, beide hier in Joh. George Zimmers, Kirchvaters und Gerichtsschöppens Hause im Oberdorfe allhier zugleich mit einander momentc» temporis getödtet; sind auch zugleich hernach den 14 ejusä., den 9 p. Trin. mit einer Leichenpredigt unter ungemein großer Versammlung zur Erde bestattet worden. Der Leichentext war Ruth 1, 16. 17.
1803 den 20. April Mittags 12 Uhr tödtete ein Blitzstrahl unweit Gottlob Böhme's, Gärtners Nahrung auf dem Fußsteige in einem Nu Christian Traugott Israels, Gärtners und Webers im O. D. Ehefrau, Anna Maria geb. Bergmannin. Am 4 Aug. 1814 Vormitt, in der 10. St. schlug der Blitz in das Haus des Halbhüfners und Einnehmers, Gottlob Kohlmann im Niederdorfe. Es geriethen mit diesem Gehöft noch andere 3 Häuser in Brand und wurden sämmtlich eingeäschert.
Churf. Georgs H. Todtenfeier. 1691 den 11. December ward, wie an allen Orten, also auch bei uns, das Leichenbe- gängniß des weil. Joh. Georg 111. gehalten und zwar also: die ganze Gemeine versammelte sich 1 Uhr auf der Wiese vor der Schenke, allwo eine zubcreitete Bahre stand. Darauf ward von dem Pfarrer, Schulmeister und Schülern solche Bahre abgeholt, 2Lieder gesungen, Richter, Gemein- und Gerichtsältesten trugen die Bahre, welche vor das Altar ge- setzet, worauf die Leichenpredigt gehalten, und also dieser Proceß geendiget ward.

