Beichtandacht.

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den oder vielmehr vervielfachenden Umständen zu beichten, dann muß man sich auch insbesondere darüber erforschen, indem ein so genaues Bekenntniß ohne Gewissenserforschung über diese Umstände nicht Statt finden kann. Um zu einer solchen Gewissenserfvrschung eine gewisse Anleitung zu ge­ben, haben wir unten einen Beichtspiegel beigegeben, dessen Gebrauch wir hier denjenigen insbesondere empfehlen, welche, obgleich sie in mancherlei Gelegenheit zur Sünde kommen und schwer gesündigt haben, dennoch nur selten, z. B. ein oder zwei Mal im Jahre, zu beichten pflegen. Wer ängst­lichen Gewissens ist, mag denselben unbenützt lassen, weil er ihm nachtheilig werden könnte.

Hat man sich seine Sünden, wenigstens die schweren, nach ihrer Art, Zahl und den die Art ändernden Umständen ins Gedächtniß zurückgerufen, dann muß man ferner die Ur­sache der Sünden und ihre Folgen erforschen, diese, um sie wieder aufheben zu können, jene, weil davon die Lebens­besserung abhängt. Was die Ursache der Sünde betrifft, so ist es Jedem leicht, dieselbe zu erkennen. Wie wüßte z. B. der Trunkenbold und der Unzüchtige nicht, welche äußern Um­stände ihn zur Sünde zu verleiten pflegen, und was er da­her nicht minder, als die Sünde selbst, zu vermeiden habe? Desgleichen weiß jeder Mensch, welche erste Nachgiebigkeit gegen die Versuchung dieselbe so stark gemacht habe, daß er chr unterlegen sei. Dabei ist es auch von großer Wichtig­keit , die vorherrschende böse Neigung, aus der man zur Sünde zu kommen pflegt, ausfindig zu machen. Und was verstehen wir unter dieser Neigung? So oft wir sündigen, ist es ent­weder Augenlust, Fleischeslust oder Hoffart, welche uns zur Sünde verlockt. Von dtesen allen Sterblichen gemeinsamen Neigungen pflegt in jedem Menschen die eine oder andere vorzuwiegen und damit die bewegende Ursache der meisten Sünden zu sein, die er begeht. So wird der Eine mehr von seiner Liebe zu zeitlichen Dingen, der Andere mehr von sei­ner Liebe zu Ehre und Ansehen von der Welt, ein Dritter mehr von seiner Liebe zum sinnlichen Angenehmen fortgeris­sen. Diejenige böse Neigung, welche am meisten zur Sünde verlockt, nennt man die vorherrschende. Man kann sie leicht erkennen, wenn man sich ernstlich die Frage beantwor­tet, woran man am meisten denke, und weshalb man am