1. Veranlassung.
^ine Anzahl Leute, meist dem Handwerkerthum angehörig, fühlten sich angeregt zusammenzukommen und mit einander von dem zu reden, was ihnen Noth thue. Sie wurden inne, wie heilsam das sei; sie beschlossen es regelmäßig zu thun, das heißt: sie gründeten einen Verein.
Da das Kind doch einen Namen haben muß, beriethen sie, wie der Verein heißen sollte: ob Handwerkerverein, Fortbildungsverein, Arbeiterverein, oder wie sonst.
Da fand sich denn, daß man zu einer richtigen Namengebung sich zuvor über den Zweck des Vereins vollständig klar werden müsse
Sollte es ein „Fortbildungsverein" werden? Weiter streben will ja jeder vernünftige Mensch. Aber wo ist für „Fortbildung" der gegebene Anfangspunkt und nach welchem Zielpunkte sollte das Streben gehen ? Hinsichtlich des Ersteren hätte der ABC-Schüß so gut in dem Vereine Raum suchen können wie der Mann der Wissenschaften, und hinsichtlich des Zweiten war Alles in das Blaue gestellt. Also dieser Name war ungenügend.
Sollte es ein „Arbeiterverein" sein ? Aber die heutige wunderliche Menschengesellschaft giebt den Ehrentitel „Arbeiter" nur denen, die man genauer „Haudarbeiter" nennt, obwohl auch dies mit Unrecht, denn wer arbeitet denn, und braucht dazu nicht auch die Hand? Der „Hand" — werter doch erst recht. Also dieser Name wäre mißverstanden worden und paßte auch wirklich nicht.
So war doch wohl „Handwerkerverein" die beste Bezeichnung, die auch anderwärts für ähnliche Zwecke viel gebraucht wird. Dennoch erregte dieser Name Bedenken. „Wenn nun einer unter uns ist, so sagte man, oder zu uns kommen will, der nach den aus dem Zeitalter der Zünfte stammenden Begriffen kein „Handwerker" ist, sollen wir den zurückweisen? Oder wenn jemand von seiner Kunst oder von seinem Wissen uns etwas zum Besten geben will, sollen wir es verschmähen weil er kein „Handwerker" ist? Da würden wir nur zu kurz kommen, und es würde uns auch übel ansteben; man würde glauben wir seien noch alte Zünftler, und was das Schlimmste: „die so meinen, würden Recht haben."
„Aber, sagte ein Anderer, einen Namen müssen wir haben: Handwerkerverein ist noch der beste und üblichste, man braucht es ja nicht so genau zu nebmen."
„Besser, erwiderte ein Anderer, wir lassen fünf nicht gerade sein, sondern überlegen genau was wir wollen, dann wird sich auch das rechte Wort dafür finden."
„Handwerkerverein" — wenn wir auch absehen wollten von der Frage, wer ein Mitglied sein dürfte, da es gar keine erkennbare Grenze zwischen den Handwerkern und den übrigen Menschen giebt, — das Wort sagt ja gar nicht was er will? Will er Kartenspielen, Gelage halten, Verschwörungen machen, oder was will er?
,,Sie werden sagen: wir wollen uns gegenseitig weiter bilden! Gut. So müßte es heißen ,,Handwerkerbildungs - oder Handwerkerfortbildungsverein." Aber ich glaube das wollen Sie gar nicht.
„Oder wollen Sie hier den Schneider lehren nähen und zuschneiden, und so den Schuhmacher, Drechsler, Schmidt, Bäcker und all die tausend „Handwerke" — ein jedes in seiner Art ? Das wollten Sie wohl nicht, und wenn Sie es wollten, Baltzer, v. d. Arbeit. 1

