Drittes Buch-

I.

Als sich Katharina so ganz selbst überlassen sah, empfand sie eine große Unschlüssigkeit. Sie hatte den Plan, Virginien, weil sie ihr mißtraute, zu entlassen, und ihre Großmutter zu sich zu rufen; dann wollte sie selber nach Brügge gehen, dann wieder dachte sie daran, bei Juliettens Mutter, welche sie gewiß noch nicht vergessen hatte, Rath und Schutz zu suchen. Aber die schlaue Picarde versicherte ihr so eindringlich ihre Ergebenheit, vergoß so viel Thränen, schalt so tüchtig auf den Grasen und versicherte so frech, sie und alle Domestiken des Schlosses wüßten nichts davon, daß er verheirathet sei und sie versuchte auf so verschiedene Arten Katharinen zu trösten, daß diese wieder Vertrauen zu ihr gewann.

Mit einschmeichelndem rücksichtsvollem Tone rieth sie ihr, die Großmutter, welche schon sehr alt sei und ohne Gefahr ihre Gewohnheiten nicht verändern dürfe, nicht in Anspruch zu nehmen, ja sie forderte sie sogar auf, vorläufig die traurige Entdeckung, welche sie gemacht habe, derselben nicht mitzutheilen, weil die arme gute Frau einen zu großen Kum­mer darüber empfinden würde; vor allen Dingen aber gab sie ihr zu verstehen, daß es nicht rathsam sei, Juliettens Mutter ein Lebenszeichen zu geben, weil dieselbe ihr vielleicht verächtlich begegnen könne. Ihr Haus ist auf ein Jahr