3

die man gegen unsere Herzen richtete, gestützt auf Kanonen, die euch auseinander treiben sollten, wenn ihr euch gesammelt und anfingt zu drohen, gestützt auf Gerichte, welche als Helfershelfer dieser Elenden über euch die Strafen einer Schuld verhängten, wenn euch euer Gewis­sen sagte, daß es Tugend war, was ihr gethan.

Dann Brüder, hatten wir eine auf D u mm h e it gebaute Herrschaft. Denn man erzog euch, wie etwa einen Papagei, den man etliche Worte plap­pern lehrt. Diese Worte plappert er, und was weiter, ist Unsinn, den keine Menschenseele versteht.

Man schlug eure Gedanken todt, so lange sie noch Kinder waren, und nur erst zu lallen anfingen; denn wenn mal die Gedanken groß und stark werden, dann sind sie zäh und lassen sich nimmer erschlagen; der Körper kann darauf gehen, der Gedanke lebt ewig, der Körper kann schwach sein, der Gedanke ist mächtig, und wo der Leib nicht hinreicht, der Gedanke gelangt hin auf unsichtbaren Wegen. Ach wenn am jüng­sten Tage nur die erschlagenen Gedanken alle auferstehn, denn eS heißt im Glauben: Auferstehung des Leibesund der Seele so kom­men unsere Körper gar nimmer mehr daran.

Noch Eins Brüder! wir hatten früher eine übermüthige, eine tolle Herrschaft. Es hörte Niemand, es wollte Niemand hören auf den Hülferuf, auf den Wehschrei des Volkes!

Es wollte Niemand schauen auf die verkohlten, gluth- und flam­menlosen Augen, auf die Thränen der Verzweiflung, die in denselben starrten; sie wußten Alle was uns fehlte, wie wir es selbst wußten, aber sie wollten uns nicht verstehen, sie belogen unfern Kaiser, der im Wahne war, daß sein Volk glücklich, zufrieden sei; sie verschlossen die Pforten seiner Burg eueren Klagen, und rissen dieselben auf, wenn ihr in euerer Herzensfreude, in euerm Seelenjubel einmal den Schmerz vergaßt und jubeltet und jauchzet, daß es schien, als müßtet ihr recht glücklich sein. Der größte Uebermuth aber bestand darin, daß sie den Geist der Zeit, der mit lauten Schlägen an die Pforten euerer Unterdrücker schlug, nicht hören wollten, daß sie dem Geiste der Zeit-, der mit ehernem Flügelschlage durch die Lüfte rauschte, für eine Fledermaus hielten, die im Dunkel bloß zu flattern versteht, daß sie den Geist der Zeit, als er die eisernen Thore eures Kerkers bereits aus den Angeln zu heben ver­suchte, die Hände mit Fesseln belegten, daß ihm die Kraft erlahmte und er geschwächt zusammenknickte, harrend des Augenblickes wann er zu neuen Kräften gelangt, sich wieder wird erheben können.

Und der Augenblick, Brüder, ist gekommen, und wißt ihr wer ihm aufgepaßt und ihn beim Mantel festhielt, als er gerade wieder zu entwi- schenim Begriffe stand? DieStudenten, und die Bürger Wiens, diese Wackern, diese Braven, diese Unvergeßlichen! Haltet sie in Ehren, in hohen Ehren, diese eure wackere Jugend, noch siehts nachgerade nimmer so aus, daß ihr sie entbehren könnt. Jetzt werdet ihr sie mehr brauchen,