Vorbemerkungen.

2 Es iſt zumal in neuerer Zeit die Frage vielfach angeregt worden, ob und inwieweit die Volksſchule auch für das prak­tiſche Leben vorzubereiten habe. Daß die Schule eben eine Schule fürs Leben ſein ſoll, kann allerdings gar keinem Zweifel unterliegen, und das non scholae sed vitae discimus iſt ja im Ernſte noch von Niemand beſtritten worden. Ueber dasWie gehen die Anſichten freilich auseinander. Vielfach meint man noch immer, daß es vor Allem darauf ankomme, eine geübte Denk­kraft zu erzielen, daß derjenige, welcher eine ſolche beſitze, auch ohne poſitive Kenntniſſe ſich im Leben leicht zurechtfinden und ohne Mühe das aneignen würde, was ihm nöthig ſei. Von anderer Seite hat man dagegen gerade das Aneignen von poſitivem Wiſſen beſonders betont und mit Recht behauptet, daß ohne dieſes eine wirkliche Kraftbildung unmöglich ſei. Kenntniſſe und Fertigkeiten dem Schüler mitzutheilen gilt darum

als Hauptaufgabe der Volksſchule. Wenn nun ſchon zugeſtan­den werden muß, daß den Anſprüchen Mancher, welche Unter­richt in der Gewerbekunde, Handelswiſſenſchaft, Haus⸗, Garten­und Landwirthſchaft u. ſ. w. der Volksſchule aufbürden möchten, nicht Genüge gethan werden kann, ſo dürfen wir uns dennoch nicht verhehlen, daß in der Praxis vielfach doch noch nicht die gehörige Rückſicht auf die Forderungen des praktiſchen Lebens und die für daſſelbe nöthige Ausbildung genommen wird, und daß der aus der Schule Entlaſſene ſpäter vielfach rathlos da­ſteht in Fällen, für welche ihn die Schule allerdings ausge­rüſtet haben ſollte.

Es kann nicht Aufgabe dieſer Blätter ſein, radicale Vor ſchläge zu machen, wie die Schule im Allgemeinen mehr für das praktiſche Leben zu wirken habe, da wir in Folgendem unſere Aufmerkſamkeit in dieſer Hinſicht nur einem einzelnen

Möller, Anleitung 2c. 1