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Sie gedenket ihrer Missethat, >
Sie gedenket, daß ihr Richter naht Und zittert. —
Sie dangt, sie zagt; sie weint, sie klagt Und vergeht in Thranln.
Fasse Muth, o belastet Herz!
Schau' du Mir trostvoll himmelwärts! Gütig ist dein Herr,
Gern giebt Er Gewahr, >
Naht, sich ausznsöhnen.
bis ich meinem Gefühle in dieser Hinsicht Genüge gethan. Ich ersuchte daher einen'meiner Vorbeter, Herrn I. M. Ochs zu Altenkundstadt, mir den reinen Musiksatz des' Col-Nidre- Gesanges zu gebend welchen mir derselbe auch, mit Ausscheidung aller herkömmlichen Verzierungen, bald vorlegte (s. Beilage). Ich suchte mich nun, in die Melodie hiireinzufühlen und der frommen Empfindung ihres ursprünglichen Verfassers Worte zu leihen. Ich fand in der Eonsetzung, wie sie mir vorlag, eine dreifache Empfindung ausgedrückt; im Anfänge ein Bangen bei Herannahen des feierlichen Tages; dann muthvolles Erheben zu dem göttlichen Versöhner, und a.m Ende inniges Bitten vor dem Throne des Allbarmyerzigen. Der Ausdruck kam mir von selbst in den Mund, Und so entstand die erste Strophe dieses Gesanges, welche ich hiermit,zur gütigen Beurtheilung mitthcile, ob mcinö schwache Kraft das Rechte getroffen oder nicht. Jur ersten Stro- phe dichtete ich spater nocb zwei andere, in welchen ich, in der zweiten die Versöhnung mit dem Nebenmenschen, in ddr dritten die Aussöhnung mit uns selbst, pdrr die Heiligung unseres Gei- ftes durch die Erhebung über die sinnliche Natur 'zum Ausdruck zu bringen suchte. Das Ganze hat, bei der Auslührung in mci- nen Synagogen einen tiefen Eindruck und die innigste Rührung hervorgebracht, was sich, wie ich hoffe, noch steigern soll,, wenn der Text in den Händen aller Betenden sein, und sie sich densel- ben von Jahr zu Jahr mehr werden angeeignet haben. Denn wir haben jetzt עח לפי־רץ רעח לבנרח eine Zeit, nicht nur zum Ginreiße-n,^ sondern auch zum Ausibauen, und unseren Enkeln und Urenkeln werden hie neu einzuführen- den, vom Geiste unserer Religion beseelten Einrichtungen der jetzigen Jeit unter dem Beistände Gottes einst lieb und werth sein, und die fromme Gewohnheit wird wie in früheren, so auch in späteren Tagen ihre heiligende Macht nicht versagen.

