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heilige Lehre über uns ausgegossen! Deine Befehle alle sind gerade, erfreuen das Herz; Deine Gesetze sind klar und lauter, erleuchten die Augen, Deine Aus- sprüche sind voll Wahrheit, gerecht alle miteinan- der. Und unter allen Deinen Geboten glänzt herrlich, wie die Sonne unter den Sternen, das Gebot des heutigen Tages, wel- eben Du eingesetzt zur Verzeihnng, zur Versöhnung, zur Berge- bung aller unserer Sünden. Denn voll Gebrechen ist der Mensch, und seine Schuld lastet schwer auf ihm. Du aber heilest seine Ge- brechen, nimmst weg seine Schuld, und sprichst ihn rein vor Dei- nem Angesichte. Die Sorgen um des Leibes Nahrung und Pflege weichen nicht von dem Sohne dieser Erde; seine irdischen Bedürf- nisse machen ihm Angst, seine Begierden und Leidenschaften be- drängen ihn, und die Seele — ach, die Seele wird zur Sklavin im fremden Lande. Sie trägt mit die Lasten des Leibes; sie lei- det mit seine Leiden, fühlt schmerzvoll seine Schmerzen, und trauert im Innern ihres dunkelen Hauses. Wer eilt ihr zur Hilfe? wer heitert auf die einsam weinende? — Du bist es, "himmlischer Vater, der sich der bedrängten Seele, der verlassenen ^Himmelstochter, annimmt; Du reichst ihr von der Höhe Deine Hand, und ziehest sie aus mächtigen Tiefen.
Und diesen Tag hast Du ihr bestimmt zur Erlösung und Ret- tung, zur. Erhebung und Wiedervereinigung mit Dir. Heute, da wir den ganzen Tag nicht Speise noch Trank nehmen; da wir von Abend zu Abend uns kasteien und peinigen, da büßet unser irdi- scher Theil seine Sünde ab; er wirb gedemüthigt vor seinem Herrn; der Leib wird gereinigt und die Seele geheiligt. Heute, da,wir gleichsam unser Blut und die Kraft unseres Leibes auf Deinem Altäre darbringen, da fühlen wir, I)aß wir den Leib in allen Stücken, unterordnen sollen der Seele, und daß uns kein irdi- sches Opfer zu schwer fallen darf; um die Reinheit unseres geisti- gen Wesens zu erhalten, oder das befleckte von seinen Flecken zu befreien. Heute, da wir den ganzen Tag vor Gott stehen, und uns so froh und selig fühlen in seinem Heiligthume, da erhebt sich die Seele aus ihrem gedrückten Zustande, und sie feiert vor Gott ihren Sieg über das Sinnliche und Niedrige, über das Irdische und Vergängliche. Heute, da uns der himmlische Vater seine Hand zur Versöhnung reicht, und alle Hindernisse wegräumt, die uns von ihm getrennt hielten, da fühlen wir ungetrübt das hohe Glück, daß er uns so nahe zu sich gestellt hat; keine Scheidewand

